Montag, 27. Juli 2009

Reisebericht per Rundmails

First Mail
13.09.2009

sivasilem, sonntag, den 07.09.2008

hallo alle,
ich bin gut in sivesilem angekommen. es ist sehr warm hier, puh. es ist noch kein monsumregen vorhanden.
ich habe nicht so ein kulturschock gekriegt, da ich einiges bereits aus kenia kenne. Es hat auch damit zu tun, dass ich vorher viel ueber indien gelesen habe. Nur die Strassenbeschaffenheit sind hier besser als in Kenia. Die kleine Geschaefte erinnert mich an Kenia, es ist so aehnlich. Es gibt hier sogar "Baby"Bananen, hihi.
die fahrt mit dem flug von frankfurt am main nach chennai dauert 9,15 stunden. mit dem zug von chennai nach sivakasi dauert 11 stunden, puh. ich war zusammen mit einem indischen begleiter und eine andere freiwillige, anna aus kanada, in einem nachtszug. danach nochmals 2 stunden von sivakasi nach sivasilem mit dem auto. puh, wasfuer lange fahrt ist das. ich bin endlich am 4.sep. nachmittag in sivasilem angekommen. da habe ich bereits die nase voll vom langen fahrt und sitzen.
gleich an diesem tag besuchte ich zusammen mit katerine (aus usa) und begleiter gehoerlosenschule in sivasilem, zwar mit schulleiterin raju. wir wurden ganz herzlich willkommen. die gehoerlosen schuelern waren froh, lachten und begruessten uns.
in sivasilem kann man schoene mountaine sehen, wow, nicht weit vom waisenheim bzw gl-schule. ich kann ihn einfach sehen, wann ich will. eines tages werde ich zusammen mit katerina als spaziergang dort besteigen. in einem waisemheim, wo ich einem zimmer mit katerina teile. sie stammt aus usa und kann gaaanz bisserl amerkanische gebaerdensprache. sie lernt fleissig von mir bisserl deutsche gebardensprache. wir lernen auch dazu tamilische gebaerdensprache. wir verstaendigen uns in englisch per schriftlich und gebaerden.
hoerende und gehoerlose kinder kennen wirklich keine distanz bzw. ruhe lassen. mir wird wirklich langsam zu viel bzw. zu nah mit hoerende kindern. sie sind zwar sehr nett, aber anstrengend bzw. nervend. wenn ich mal ruhe brauche, ziehe ich mich in meinem zimmer zurueck. wenn ich vergesse, tuer vorher abzuschliessen, dann kommen die kinder in meinem zimmer rein, nun ist mein ruhe weg....sie sind sehr neugierig und wollen wissen, was katarina und ich in unseren zimmer haben: buecher, kleidung etc.
wir muessen\mussten sie aus unserem zimmer wegschicken und den tuer abschliessen, puh.
die indische menschen sind wirklich sehr soziale menschen und unterstuetzen gemeinsam bzw. halten zusammen, falls es irgendwo probleme gibt. sie laden gerne auslaender in ihren haus ein, lach. wir wurden zweimal eingeladen, wir jedoch diese aus zeitlichen gruenden abgelehnt haben. aber wir werden eines tages dies annehmen koennen.
indische frauen bzw. maedchen wollen katarina und mich mit dem essen verwoehnen. wenn wir mal weniger hunger haben bzw. nicht viel essen wollen, fragen sie uns, ob es uns nicht schmeckt. wir sagten denen, dass es uns doch gut schmecken und haben nun mal kleine magen. sie fragen immer wieder bis heute, ob es uns wirklich gut schmecken. denn wir essen weniger als anderen (so nur 1/3 von den ganzen essen wir). denn das essen am fruehstueck, mittag und abend sind viel. wenn wir am fruhstueck und mittag soviel wie die anderen essen, koennen wir nicht abend essen...da unsere magen noch voll vom fruehstueck und mittag waren\sind. deswegen haben wir beschlossen, weniger zu essen. ich wundere mich wirklich sehr darueber, dass kinder wirklich so viel essen und zwar alles aufessen koennen, wir nicht. haben sie etwa groessere magen als wir, hm? das essen sind wirklich lecker....aber mit den fragerei werden wohl kein ende geben, lol. wir essen mit rechten hand, kein besteck! das chai-tee ist hier so lecker. das trinken katerine und ich sehr gerne...moeglichst viele, hihi.
gestern waren wir zusammen mit munes, indische frau, in tenkasi. dort haben wir freunde von munes besucht. sie waren nett. wir unterhielten, gaben uns mittagsessen und tranken chai-tee. zurzeit liebe ich chai-tee, so lecker. danach waren wir noch schnell einkaufen gegangen. ich habe 2 kleidung gekauft: kuchari (lange tunika und dazu passende hosen).
morgen gehe ich wieder zur gehoerlosenschule und frage schulleiterin (raju), welche aufgaben ich fuer 5 monate machen soll. ich brauche zeitplan mit aufgaben, naja.
leider ist diese schule oralorientiert. natuerlich fuehle ich mich wohl unter gehoerlose, denn mit denen kann ich per gebaerdensprache kommunizieren. mit hoerende lehrerinnen zu kommunizieren ist schwierig. sie sagen zu mir, dass ich auch wie anderen gehoerlose kinder von dem mund ablesen und sprechen soll statt gebaerdensprache zu benutzen bzw. schriftliche komunikation mit hoerende lehrer. ich habe denen bereits erklaert, wie wichtig die gebaerdensprache fuer gehoerlose sind. sie wollen nicht verstehen. sie finden, dass die orale sprache sei besser, um den alltag besser zu meistern. katarina ist auch der meinung wie ich.
oh mein gott, das war genauso wie in meinem ehemaligen schule. ich habe bereits mit einige gehoerlose unterhalten und fand heraus, dass sie unter oralorientierte sprache leiden....sie wollen lieber per gebaerdensprache kommunizieren. inzwischen haben sie mich so akzeptiert, dass ich mit gehoerlosen per gebaerdensprache kommuniziere.
katerina und ich ueberlegen, wie wir machen koennen, damit die hoerende lehrer verstehen koennen, wie wichtig die gebaerdensprache ist.
ansonsten geht es mir gut....das hitzige wetter macht mir zu schaffen, puh. zum glueck haben wir klimaanlage in unseren zimmer. aber taeglich faellt strom aus. wir muessen warten, bis endlich strom da sind. ich hoffe, dass es bis heute abend strom da wird. sonst kann ich schlecht schlafen, naja.
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Sivasilem, Montag, den 08.9.2008

Gestern ist wasser ausgefallen, kein wasser kam mehr aus dem wasserhahn. zum glueck haben wir wasser heute wieder, puh. es ist nur angenehme kalte wasser, kein warmes wasser (!!!) vorhanden.
gestern waren wir in alwarkurichi. dort wollten wir zum internet-cafe gehen. da war leider geschlossen. ich erfuhr heute von einer nette gehoerlose frau, dass internet-cafe immer sonntags geschlossen hat. na gut, das haben wir ja nicht gewusst. wir haben etwas fuer uns aus dem kleinen shop besorgt. es ist wirklich nicht einfach, ans internet zu kommen, tja.
heute war ich bei schulleiterin raju wegen dem fragen, welche aufgaben ich fuer 5 monate kriegen werde. sie sagte, dass ich erst nach dem 15.september einen arbeitsplan kriegen werde, nicht frueher, naja. sie ist im stress wegen der organisation fuer zeremonie am 14. und 15.9.2008 wegen gott mit dem elefantengesicht. (ich weiss nix mehr, wie man ds nennt. ich werde schon mal erkundigen) also habe ich eigentlich nichts zu tun....also, ich besuche weiterhin die gehoerlosenschule und unterhalte mit gehoerlosen schueler bzw. lehrer, lerne weiter tamilische gebaerdensprache und lehre bisserl englisch.
denn die gehoerlose schueler koennen gar kein englisch, nur tamil. aber die hoerende schueler lernen dazu englisch. wie unfair, dass die gehoerlose schueler nicht englisch lernen koennen\duerfen. denn die schulleierin behauptet, gehoerlose schueler haben kein zukunft, also wozu englisch lernen. das ist hart fuer mich, so was zu hoeren. denn ich bin gehoerlos und habe englisch gelernt, auch wenn es nicht perfekt ist. Gehoerlose haben jedoch auch recht auf zukunft!!!es ist nicht einfach, tamilische gebaerdensprache zu lernen. ich finde immer irgendwie heraus, was das bedeutet...die tamilische schuelern haben geduld mit mir und versuchen mir zu erklaeren, wie nett. ich lerne taeglich einige neue tamilische gebaerdensprache. die gl schuelerinnen bzw. junge gl lehrer lernen auch bisserl deutsche gebaerdensprache von mir, hihi. sie sind neugierig, wie man in deutschland gebaerdet.
heute habe ich meine 2 kleidungen, kuchari, zu einer gehoerlosen frau gebracht. sie wird bis morgen eine kuchari fertig naehen. zweite diesen woche noch. ich bin sehr gespannt darauf, wie ich darin aussehen werde. ich habe schoene farben der kucharis gewaehlt: olivgruene tunika mit orange hose + halstuch und tuerkis tunika mit weinrote hose + halstuch.
den schmuck werde ich spaeter mal kaufen, in ambasamudram (ca. 1 1\2 h entfernt von sivasilem) oder woanders.
ich bekam einige tipps von den netten gehoerlosen frauen, wo man schoen kleidungen bzw. schmuck etc besorgen kann.
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Tenkasi, Samstag, den 13.9.2008

ich bin zusammen mit katerine wieder in tenkasi. seit ca. 8 uhr am morgen. wir sind mit dem bus von 6.15 uhr gefahren. wir machen kleinen stadtbummel durch tenkasi und schauen einfach alles, was es gibt.
wir haben bereits schoene ohrringe und armreifen fuer celebration am montag, den 15.9.
Ich habe uns gestern schoene sari in weinrot mit goldenen verzierung aus seide besorgt, Katie (kurzname von katerine) in smagardgruen sari mit goldenen verzierung. diese sari werden bis morgen fuer uns genaeht. ich bin schon gespannt darauf, wie ich darin wohl aussehen werde.
Ich habe schon 2 verschiedene Kuchari's angezogen. ich sehe darin gut aus, yeah, hihi.
das betrag in rupien klingt viel, aber wenn man umgerechnet hat, dann werden die augen gross sein, dass es unglaublich so billig ist, wow. (1 euro = 60 rupien)
4 stuecke armreifen aus gold kostet gerade mal nur 40 rupien, ein paar ohrring nur 5 rupien.
ein sari kostet 400 rupien, 2 kachari's nur rund 800 rupien.
die fahrt mit dem bus, von sivasilem nach tenkasi kostet nur 10 rupien.
ich erfuhr von einer gl frau an der gehoerlosenschule, dass es im mitte september langsam mit dem monsun beginnt, aber nur wenige. es hat gelegentlich schon begonnen. im oktober wird es mehr sein, im november noch mehr regen geben, dann im dezember weniger (also so fast wie im september). im januar und februar wird regenfrei sein.
was es mir sorgen macht, ist das klimaanlagen. hoffentlich werde ich noch strom waehrend des monsum haben. ich lasse klimaanlage in der nacht immer an wegen dem moskitos.
eine suesse gl maedchen an der gl-schule hat wunderschoene blaue augen. sie strahlt so sehr, wenn sie lacht.
wir machen also nicht nur stadtbummeln, sondern auch sightseeing. wir haben z.b. schoene indischen tempel von aussen und innen angeschaut.
in indien habe ich einen zweiten eigenen handy, wo ich innerhalb indien billig simsen kann.
bei den naechsten mail berichte ich mehr darueber, wie es am montag, den 15.9. wird.
noch fragen!? ;o)
sei lieb gegruesst aus tenkasi,
simone




2nd Mail

20.09.2008

Hallo alle,

ich bin wieder da.

Ich bin wieder in Tenkasi, zwar zum ersten Mal allein in fremden Stadt.
Ach, so fremd ist Tenikasi auch nicht. Ich kenne dort schon einiges ;o)

Ich wollte eigentlich gegen halb 11 Uhr ans Internet kommen, aber ich erfuhr, dass es noch nicht moeglich sei wegen dem Stromausfall. So bummelte ich bisserl durch Stadt und besorgte einige Sachen.

Erst am letzten Donnerstag habe ich endlich Arbeitsplan bekommen. Gestern war mein ersten Arbeitstag.
Es ist sehr bedauerlich, dass die gehoerlosen Schueler kein ABC-Zeichen lesen bzw. schreiben koennen, nur Tamil. Daher habe ich Kinder-, Bilder- und ABC-buecher hier in Tenkasi besorgt.
Ich bin an der Gehoerlosenschule als Lehrerin in englisch taetig. Es ist wirklich nicht einfach, den gehoerlosen Schueler Englisch beizubringen. Lehrern selbst koennen schon was englisch, aber gehoerlosen Kinder gar nichts.
Mein Ziel in 5 Monate ist, gehoerlosen Schueler ABC-Zeichen und bisserl Englischkompetenz beizubringen.
Ich werde erst morgen fuer Schule Lehrmaterialien vorbereiten.
Am Nachmittag spiele ich zusammen mit Katie mit den kleinen gehoerlosen Kinder oder ich quatsche mit gehoerlosen Erwachsene und schaute ab und zu, wie sie Sari handgenaeht oder mit Naehmaschine herstellt. (siehe Bild mit einer gehoerlosen Frau, Panjavarnam.)

Mit den hoerenden Lehrern zu kommunizieren, ist immer noch nicht einfach....immer noch schriftliche Kommunikation. Ich kann unmoeglich von dem Mund in Englisch ablesen, viel zu schwierig. Manche Lehrern tun das nicht gerne und schreiben mit den Augenrollen (oder machen so ne Grimasse) trotzdem fuer mich auf dem Tafel oder auf dem Papier.

Die Vornamen sind in Indien recht kompliziert und lang. Ich brauche Zeit, bis ich den Name vollstaendig merken kann....ich frage bis heute noch, wie ihre Namen sind, ops.

Ich war vorher in einem Photoshop und liess einige Digi-Bilder zum Bilder machen, da einige gehoerlose Erwachsene das haben wollen, hihi. Das werde ich gegen 14 Uhr abholen.

Ich muss euch einfach schoene Geschichte erzaehlen, dass ich vor wenige Tagen und gestern erlebt habe.
Ein 4jaehriges gehoerloses Maedchen (auf dem Bild zu sehen: eine Laecheln mit mir und anderen schlafend auf meinem Schoss) hatte am Anfang zuerst sehr geweint, als sie mich als eine Weisse sah und mich abgewiesen. Einige Tagen spaeter weinte sie nicht mehr, wenn sie mich sah, war jedoch noch scheu und unsicher...begruesste mich ganz vorsichtig mit Abstand.
Das entwickelt die Beziehung zwischen uns noch weiter. Seit wenige Tagen hat sie gar kein Angst mehr.Wenn sie mich sieht, rennt sie gleich auf mich zu, begruesst mich und schenkt mir ihren schoenen Laecheln.
Sie ist seit ca. 2 Monaten an der Schule. Ihre Eltern koennen sie nicht richtig versorgen. Einige gehoerlose Erwachsene berichteten mir, dass sie zuerst abgemagert und ungepflegt aussah, als sie an der Gl-Schule kam. Heute sieht sie gesuender (hat inzwischen zugenommen und sieht gut aus) und gepflegter aus. Sie vermisst ihren Eltern noch und sieht ihren Eltern nur sehr wenige. Sie ist ja erst 4 Jahre....so klein und schon von ihren Eltern getrennt.
Gestern ist was Schoenes und Suesses passiert.
Sie mag mich sehr gerne und moechte oft in meiner Naehe bleiben.
Gestern war sie am Nachmittag einfach muede und schlief auf dem Boden ein. Ich war zuerst in ihrer Naehe, spaeter sass ich woanders. Als sie aufwachte, hatte sie geweint, da sie mich vermisst hat. Als sie mich fand, ging sie weinend auf mich zu. Ich nahm sie auf meinem Schoss und schmuste bisserl mit ihr....sie schlief einfach schnell auf meinem Schoss ein und das eine Weile lang. Spaeter am Abend war sie wieder muede und moechte nur noch schlafen.
Ein gehoerlosen Schueler nahm sie auf seinem Arm und wollte sie ins Bett bringen, aber sie weinte, nur weil sie lieber auf meinem Arm sein will. Also nahm ich sie auf meinem Arm und brachte sie ins Bett. Zuerst konnte sie nicht schlafen, weil sie nicht allein sein will....sie hielt mit ihren Hand mein Hand eine Weile fest. Ich wartete und streichelte ueber ihren Kopf etc. bis sie irgendwann einschlaeft, dann konnte ich vorsichtig mein Hand von ihren kleinen Hand loslassen. Wie suess. Ich bin schon seit paar Tagen ganz vernarrt in sie
Vielleicht hat sie zum ersten Mal die Zuneigung, Liebe etc von mir erfahren...wer weiss.
An der gehoerlosenschule sowie auch an der hoerenden Schule etc sind meist Erziehung mit Gewalt, sogar Kindern untereinander selbst. Ich sagte denen, wenn ich das sehe, dass sie nicht machen sollen und versuchte denen zu erklaeren, wie sie machen koennen, zwar ohne Gewalt.
Schuleiterin und Leherinnen schlagen Schuelern mit den Stock aus Holz im UNterricht oder so. Das habe ich einigemale schon gesehen, wie. Ich ueberlege, wie ich tun kann....diese Gewalt mit Stock zu vermeiden.

Die Zelebration am Montag, den 15.9. war schoen, aber sehr lange, puh.
Die Rede von Schulleiterin und Personen von den Sponsoren dauerte insgesamt 3 Stunden, danach verschiedene Theaterauftritte fuer ca. 3 Stunden. Puh, das ist alles ohne dazwischen Pause....das war mir eigentlich zu lange. Ich ging zwischendurch weg, z.B. Chai-Tee oder unterhaltete mit gehoerlosen Leute.
In Deutschland dauert die Rede ueblich ca. 2 Stunden oder weniger....oder doch laenger, aber mit Pause. Fuer diese Zelebration zog ich Sari in weinrot an, siehe Anlage.

Wie ich euch im letzten Mail berichten habe, dass ich einfach taeglich Mountaine sehen kann, so oft wie ich will, siehe Bilder im Anlagen!

Taeglich erlebe ich um Mittagszeit und zwischen ca. 20 und 21 Uhr Stromausfall in meinem Unterkunft. Zum Glueck habe ich noch taeglich Wasser. Durch die Rohrverstopfung fiel beim letzten Mal Wasser aus.

Ich bin taeglich total von den Aussenwelt abgeschirmt und kriege gar nichts mit, was alles auf der Welt passiert bzw. kann kein Nachrichten im TV ansehen etc.
Ich lebe auf dem Dorf: kein TV, kein Internet!
Kann jemand vielleicht fuer mich kurze wichtige Zusammenfassung schreiben, damit ich woechentlich bisserl darueber informiert bin?

Gibt es was Neues bei euch? Ich wuerde auch gerne etwas von euch wissen,
was ihr so treibt ;o)

Bei naechsten Samstag werde ich nach Ambai fahren.

Machs gut, bis bald.

Liebe Gruesse,
Simone



3rd Mail
27.09.2008

hallo lieben alle,

mir gehts gut.

Am letzen Sonntag gingen Katerine und ich spontan lang spazieren (2 stunden), in richtung zum mountain. es war schoen. wir haben leichten sonnenbrand abgekriegt, also nichts schlimmes :o)

in der gehoerlosenschule fand von montag bis donnerstag ppruefungen statt. so konnte ich nicht englisch lehren. das habe ich von den gl schuelern erfahren, nicht von den lehrern, dass es pruefungszeit war, tja. ich besuchte einfach gl-schule und ging immer zu panjavarnam.
wir unterhielten und zeichneten gemeinsam. wir gingen auch ab und zu glory, da wo wir leckere chai-tee tranken. ach ich trinke taeglich chai-tee.

je laenger ich in indien bin, umso langsam vermisse ich deutsche kultur und essen, hihi, vor allem suesse fruehstueck. hier esse ich fruehstueck wie mittag bzw. abend, also ich fruehstuecke mi schon scharf, puh, tja. ich werde schon damit klarkommen. so scharf ist das essen nicht, es geht noch.
so besorge ich mir selbst etwas suessen wie keks und ab/zu mangosaft, wenn ich in tenkasi oder heute in ambai bin. mangosaft ist so lecker...so goenne ich mir, wenn ich in der groesseren stadt bin.

oha, ich habe schon etwas abgenommen, das merkt man an meinem gesicht, kaum fett an meinem kinn, hihi.

gestern ist was tolles passiert.
2 frauen aus deutschland kamen gestern in gehoerlosenschule am nachmittag zu besuch. beide sind mutter maria und tochter anna.
anna lebt zurzeit n bangalore, da sie dort studiert. ihr mutter hat sie besucht und reist mit ihr bisserl herum. gestern habe ich mit ihrer mutter maria unterhalten, endlich DEUTSCH nach fast 4 wochen. da stellten wir heraus, wie klein die welt ist, boah.
bis zu ihren 3. lebensjahr hat sie in erfurt gelebt, dass ist sie mit ihren familie (so 1953) nach frankfurt umgezogen. ihr oma lebt oder lebte in gera, ihr schwester arbeitet als arzt in weida. ich berichtete ihr, dass meine eltern in erfurt leben und dass wir vorher in gera gewohnt haben, da wo ich geboren bin. ich sagte auch, dass meine oma zuerst in gera gewohnt, dann nach berlin umgezoigen ist.
wir haben uns so gefreut und uns umgearmt, einfach so. verrueckt, dass wir uns gestern in indien getroffen, lach. east meet east! ;o) ;oP
das gab mir gestern bisserl heimatsgefuehl, wie schoen. ich habe dann den rest des tages nur nch gelaechelt

seit wochen habe ich schoene sprachfuehrer entwickelt. ich habe nur diese fuer deutsch und englisch, aber nicht tamilisch.
daher mache ich schoene "buch" fuer englisch und tamil...also ich schreibe alles auf, was es fuer mich und fuer meine reisen wichtig ist, dann uebersetzt jemand fuer mich in tamil. so kann ich gezielt jemand fragen stellen oder schneller bestimmte dingen finden.

heute bin ich zusammen mit panjavarnam in ambai. ich konnte sie mit nach ambai mitnehmen, nachdem ich schulleiterin fuer sie gefragt habe, ob sie mich mit nach ambai begleiten darf. frauen, vor allem gehoerlosen frauen, haben hier nicht so viel freiheit. gehoerlosen frauen leben wie im kaefig in der gehoerlosenschule, tja. panjavarnam ist erfreut, mit mir gehen zu duerfen.
bald werden wir gemeinsam schoene stadtbummeln machen. ich werde neue kacharis besorgen, da 2 kacharis von mir natuerlich zuwenige sind. ich brauche auch anderen dinge, die ich in ambai besorgen werde.

heute werde ich nach fluege wg mumbai gucken. wenn sie billig ist, dann werde ich im oktober fuer paar tagen nach mumbai fliegen, und dort gehoerlosen menschen treffen, die ich im internet kennengelernt habe. aber, wenn die flug teuer ist, dann lasse ich sein.

ich gebe euch schon mal mein adresse, wo ich wohne, da ich beim letzten mail vergessen habe:

Simone Braeunlich
Avvai Ashram
Sivasilem
Alwarkuruchi
Tirunelveli District
Tamil Nadu
India

diesen letzten woche ist ruhig, also nicht viel los.

machs gut, bis bald.
Simone




4th Mail
11.10.2008


Sivasilem, Freitag, den 10.10.2008

Hallo alle,
gestern wollte ich euch vierten Mail aus Indien in Ambai schreiben. Das konnte ich nicht, da es mehrere Stromausfaelle gab und daher oeftere Unterbrechung mit der Internetverbindung. Das hat mich so genervt und verlor mein Geduld, so dass ich das aufgab und schloss auf anderen Tag (zwar an einem Samstag, den 11.10.2008) zu verschieben. So habe ich Laptop von Katie geliehen und Mail geschrieben.

Das Monsun hat schon begonnen. Es regnet also zurzeit typisch am Nachmittag ab 15 oder 16 Uhr bis 18 Uhr stark. Dann ist es wieder ruhig. Ich denke, es wird spaeter noch mehr Regen geben. Ich weiss nur nicht, wie. Ich werde schon sehen.

Durch das starke Regen gab einige Stromausfaelle.

Seitdem faellt in meinem Zimmer in der Nacht auch Strom fuer eine oder zwei Stunden. An manche Tagen ist es Horror fuer mich, ohne Klimaanlagen zu schlafen. Ich waelzte nur hin und her wegen verdammten Hitze. Aber an manche Tagen konnte ich doch ohne Klimaanlagen schlafen, nur weil es vielleicht draussen angenehm kuehl war.
Katie und ich sind immer auf die Zeit eingestellt und wissen ganz genau, wann Strom weg und wieder da ist. Wir wissen auch, wann Internetverbindung in Tenkasi da ist (also ab 12 Uhr, nicht frueher) oder in Ambai (also vor 12 Uhr und nach 15 Uhr, zwischendurch nichts). Aber manchmal gab es Ueberraschung fuer uns, dass die Zeit sich doch geaendert hat.

So, ich teile das Zimmer nicht nur mit Katie, sondern auch mit einige kleine Eidechsen und machmal auch schwarze schreckliche Ameisen, den ich immer wieder toete, wenn ich sie sehe (keine uebliche kleine Ameisen wie in Dtl, sondern etwas goesseren). Sie laufen auf dem Boden herum. Ich moechte nur nicht, dass sie meine Fuesse beissen. Eidechsen beobachte ich gerne taeglich auf den Waende, so niedlich sind sie.

Am Donnerstag, den 2.10. (vor einer Woche) haben Katie und ich vor, Sulajkabanu (eine gl junge Erwachsene, 19 Jahre) zu besuchen und ihre Familie (Schwestern und Eltern etc.) kennenzulernen. Wir vereinbarten uns um 15 Uhr an einem Ort zu treffen und dann gemeinsam zu ihren Haus zu gehen. Wie vereinbart kam sie leider nicht zu einem Treffpunkt. Wir warteten fuer 30 Minuten und wussten nicht,, was wir sonst tun sollen. Katie fragte fuer mich alte Frau und junger Mann, ob sie vielleicht zufaelligerweise gl Frau in der Gegend kennen. Leider nicht. Ich war hin- und hergerissen, ob ich nun aufgeben soll und heimgehen, da ich kein Adresse von ihr habe. Katie und ich beschlossen aber weiter jemand zu fragen. Erst dann fiel mir ein, dass ich Foto von Sulajkabanu dabei habe (warum ist mir nicht viel frueher eingefallen). Dann habe ich einige junge Leute diese Foto von ihr gezeigt. Tatsaechlich kennt einige junge Leute sie. Sie halfen mich dorthin zufuehren. Sie fragten fuer uns jemand in Tamil, wo genau sie wohnt. Ein netter junger Mann, der mit Rischka (ein dreiraediger Fahzeug) uns dorthin umsonst faehrt.
Sulajkabanu war ausser sich, als sie mich sah. Sie hat so gefreut, dass wir tatsaechlich gekommen sind. Denn sie hat zuerst gedacht, wir wuerden nicht mehr kommen (weil es schon 16 Uhr war) und war traurig. Sie hat uns ihre Familie vorstellt, wer ihre Eltern, ihre Schwestern etc sind. Ich unterhielt mit Sulajkabanu, Katie mit hoerenden Leute. Wir tranken Chai und assen spaeter Abendessen. Eine aeltere Schwester von Sulajkabanu machte schoene Hennadesign auf meinem linken Hand. Alle behandelten mich und Katie so, als wuerden wir zu ihren Familie gehoeren. Ich fuehlte dort nicht fremd, wow.
Sulajkabanu weinte, dass ich zusammen mit Katie wieder nach Hause mit dem Bus fahren musste. Ich sagte ihr, dass sie nicht weinen soll, denn wir werden am Sonntag wiedersehen und dass es nur noch 2 Tagen ist. Sie war also so geruehrt, dass ich mit Katie zu ihr zu Besuch tatsaechlich gekommen bin.

Am Samstag, den 4.10. waren Katie und ich zusammen mit einem netten Mann vom Projects Abroad in Courtallam, nur ca. 6km von Tenkasi entfernt. Dieser Mann ist Senthil, der mich von Chennai nach Sivakasi mit dem Zug begleitet hat. So habe ich ab und zu Kontakt per SMS mit ihm.
Zuerst haben wir bisserl in Courtallam gebummelt. Senthil fuehrte uns dann zu schoenen Wasserfall. Wir konnten zuerst dort nicht unter den Wasserfall stehen, da es zu viele Menschen dort waren. Aber Senthil sagte, dass es noch anderen weiteren Wasserfaelle gibt. So sind wir mit dem Rischka zu den anderen Wasserfall gefahren. Es ist nur ein kleinen Wasserfall, aber mir ist egal, denn es ist schoen dort und ich wollte baden, hihi.
Ich durfte in Indien kein Badanzug oder Bikini anziehen, daher habe ich indischen Nachtkleid angezogen und bin damit ins Wasser gegangen. Ich ging zuerst zu den Wasserfall, wo ich dann unter den Wasserfall stand. Gleichzeitig fuehlte ich was seltames an meiner Fuesse. Etwas beruehrte an meine Fuesse, aber ich wusste nicht, was das war und war mir bisserl unangenehm. Wenn ich in Bewegung im Wasser bin, spuerte ich nichts, aber wenn ich ruhig im Wasser sitze oder stehe, spuerte ich was...dann entschied ich, aus dem Wasser zu gehen, weil es mir an meiner Fuesse unangenehm war. Als ich zufaelligerweise am Ufer dieses Etwas sah, war mir klar. Das war Fische, die an meine Fuesse ansaugen und unterstuetzten mich beim Saubermachen meiner Fuesse und Unterschenkel, hihi.
Also blieb ich doch im Wasser und liess Fische an meine Fuesse kommen. Es war komisch und kitzelig. Ich musste zusammen mit Katie, die auch mit im Wasser war, kichern. Es dauerte eine Weile, bis ich mit dem Kichern aufhoeren konnte und gewoehnte mich an das komische kitzelige Saugen an meine Fuesse. Am Ende liebte ich diese Fische. Es fuehlte sich doch schoen an, hihi.
Katie und ich blieben ca. halbes (oder mehr) Stunde im Wasser und genossen kaltes Wasser und das Saugen von den Fische.

Das war ein langes Tag in Courtallam. Dann sind wir nach Tenkasi mit dem Bus gefahren. Dort habe ich neue Moskitosnetz besorgt, da meins (das ich damals fuer Kenia 2007 besorgt habe) schon einige Loecher hat.
Tenkasi, Samstag, den 11.10.2008

Heute bin ich zusammen mit Katie wieder in Tenkasi und haben schoene Einkaeufe gemacht. Ich habe neue Schmuck fuer Nase besorgt, echt indisch, hihi.
Ich habe auch einige Materials fuer mein Schule besorgt, die ich am Ende meines Praktikums schenken werde/will, sowie einige Bilderbuecher auch.
Ich habe 4 Schnuere fuer Moskitosnetz zum Aufhaengen besorgt. Ich werde spaeter noch Honig besorgen, sooo lecker ist indischen Honig. Das esse ich pur, jeweils ein oder zwei Loeffel Honig zum Fruehstueck, Mittag und Abend. Wenn ich das in meinem Mund nehme, muss ich einfach schmunzeln. Honig macht mich gluecklich und erinnert bisserl an Deutschland, bin froh, dass Honig in Indien gibt.

Ich erlebte gestern zum ersten Mal ein langen Stromausfall (von 13 bis 21 Uhr). Ich weiss nicht, weshalb. Es ist schlimm. Ich schwitze nur noch ganzen Zeit. Wenn ich draussen bin, schwitze ich nicht so wie in meinem Zimmer, puh. Ich war so froh, als es endlich ab 21 Uhr Strom gab. Denn ich hatte bereits Sorgen gemacht, wie ich denn ohne Klimaanlage schlafen kann.

Ich werde erst in 2 Wochen wieder ans Internet kommen koennen, da ich am naechsten WE (fuer ganzen WE) zusammen mit Katie nach Kanyakumari (suedlichsten Stadt Indiens) fahren werde. Dort werden wir anderen freiwilligen Menschen und einige Mitarbeitern vom Projects Abroad treffen. Es wird einige Programme dort geben, was wir dort tun bzw. besichtigen werden.

Liebe Gruesse,
Simone



5th Mail
25.10.2008

Hallo, ihr lieben.

Ich bin nun muede und versuche euch aber schoene Story zu schreiben.

Ich moechte euch was Lustiges erzaehlen, das es wirklich vor meinen Augen passiert war.

An einem Dienstag, den 14.10. machten Katie und ich Mittagsnickerchen. Irgendwann spaeter hoerte Katie irgendwas und dachte, ich mache was Lautes, wie z.B. basteln mit papier oder schneide etc. Aber sie hoerte wieder was anderen komisches und wachte auf. Was sie sah, war ein Affe, der neben Katie auf dem Boden in unserem Zimmer sass. Als ich zufaellig aufwachte und sah auch diesen Affe. wir waren ueberrascht und ueberlegten, wie wir ihn aus unseren zimmer vertreiben koennen. die augen des affen wanderte immer wieder von mir nach katie und zurueck und dazwischen schaute er nach meinem nascherei aus dem plastiktuete. als ich ihn mit dem vertreiben begann zu versuchen, klaute er mein nascherei und lief aus dem unseren zimmer weg. ich konnte affe beobachten, wie er genuesslich mein schoenen futter isst. na so was. affe stand/sass weniger als nur ein meter von mir und meinem bett entfernt. katie und ich mussten danach lachen, dass es wirklich passiert war, das fuer uns zuerst unvorstellbar war.
eine tage zuvor besuchte er schon in unserem zimmer waehrend mittag, schaute nur kurz um und ging.

Wie ich euch im letzten Mail berichtete, war ich am letzten WE in Kanyakumari (suedlichsten Stadt Indiens).
Am Freitag, den 17.10. hat es sehr heftig geregnet. Aus dem Hof wurde kleine See. Meine Fuesse standen unter dem Wasserspiegel. Mein orange Regenschirm half mir nicht viel, trocken zu bleiben. Nun ist mein Regenschirm nicht mehr dicht, so dass ich dann in Tirunelveli neu besorgt habe. Einige im Avvai Ashram rieten uns ab, nach Kanyakumari zu fahren. Katie und ich sind trotzdem dorthin gefahren und haben nix bereut.
Wir gingen im regnerischen Wetter los und warteten auf dem Bus nach Alwarkurichi. Zufaellig kam ein Schulbus, der einige Schuelerinnen nach Hause brachten, da es an diesem Tag Schule wegen heftigen Regen ausfiel. Ein netter Mann im Schulbus nahm uns mit nach Alkwarkurichi. Das Bus, auf dem wir eigentlich warteten, kam viel spaeter.
Auf dem Weg nach Kanyakumari wurde das Wetter immer besser und freundlich.
Wir sind zuerst nach Tirunelveli gefahren, dann von dort aus nach Nagercoil und nun von Nagercoil aus nach Kanyakumari. Insgesamt hat ca. 5 Stunden gedauert.
In Kanyakumari angekommen, gingen wir gleich zum Hotel und ruhten bisserl aus.
Am Abend gingen wir zum Strand, unweit vom Hotel, wo wir dort dann schoene Sonnenuntergang beobachten koennen, einfach herrlich.
Im Hotel trafen Katie und ich anderen freiwilligen Menschen vom Projects Abroad. Leider war ich einzig gehoerlos dort. Aber ich habe ja Katie, die relativ gut gebaerdet. Ich bringe sie Gebaerdensprache in DGS und ASL bei, nebenbei auch automatisch tamilische Gebaerdensprache. Ja, wir gebaerden uns in 3 Sprachen und sprechen aber nur in Englisch, hihi.
An diesem Abend erfahren wir, woher die anderen stammen bzw. wie ihre Namen sind.
Freiwillige stammen aus USA, Canada, Dtl, England, Frankreich, Belgien, Niederlande etc.
Zusammen mit denen und 2 Guidemaenner vom Projects Abroad gingen wir zum Gastaurant, wo wir dann warme Abendbrot kriegen.
Ein Guidemann erklaerte uns, welche Programme am naechsten Tag und am So kommen werden etc.
Am naechsten Tag standen Katie und ich bereits um 5 Uhr morgen auf und gingen gemeinsam halb 6 los zum Strand, um Sonnenaufgang beobachten zu koennen. Leider war Wolken vorhanden, aber man kann trotzdem schoene warme Farben in rot, rosa und orange sehen, wow.
Dann gingen wir schnell zurueck zum Hotel, da wir schon um 7 Uhr mit anderen Freiwilligen treffen sollen, um gemeinsam fruehstuecken zu koennen. Katie und ich sassen gemeinsam mit zwei Frauen aus Frankreich und Belgien an einem Tisch. Beide sind nett und gespraechig.
Unsere erste Tagesausflug war, zu einem "schoene" Palast zu fahren. Einige stellten sich spaeter fest, dass es Eintritt sehr teuer ist. Wir muessten 200 Rupees zahlen (und das 8- fach mehr als nur Einheimische), nur weil wir Weisse sind. Die Einheimische zahlen NUR 25 Rupees. Wie unfair. Einige und ich beschlossen, dort im Palast nicht zu besuchen. Wir schauten einfach in einigen Souvenir-Geschaefte um.
Ich mag manche Menschen dort nicht, die nur auf unsere Geld abgesehen sind und wollen mehr Geld von uns verlangen. Das passiert meist im Touristenstadt. In Tenkasi, in Ambai etc. erlebe ich das nicht, also ich kriege faires Preis, weil es dort seltene Touristen gibt.
Zweites Tagesausflug war, Wasserfall (Thiruparappu Falls) zu besichtigen und wir konnten unter dem Wasserfall stehen, yeah, schoene Abkuehlung. Leider war es kurz gewesen naja, weil wir dann schon zu naechsten Programm gehen sollen, so Guidemann. Dann kam ploetzlich heftiges Regen. Ich musste bis zum Bus rennen, puh. Zum Glueck war ich nicht ganz nass, aber einige schon.
3.Tagesausflug war, zum Bruecke zu fahren, wo man schoene Ausblick auf Landschaft kriegen kann. Wir waren nur kurz dort.
Wir alle waren muede und hungerig.....alle wollen nur: Essen und Essen.
Wir assen in irgendeinem Hotel in Nagercoil. (Nagercoil ist nur halbes Stunde von Kanyakumari entfernt).
Endgueltig fuhren wir zum Strand, wo fast alle im Meer schwammen, einige und ich nicht.
Denn ich hatte zuvor Erkaeltung: starke Halsweh und Erschoepfungsgefuehl. Ich war am WE fast "gesund" und moechte mir aber schonen, keine weitere neue Erkaeltung einzuholen. Ich kann warten, bis ich in Kerala bin, werde dort in Kovalem oder in Varkala ans Meer gehen, yeah. Ich bin also nur in Barfuss am Meer gegangen und machte einige schoene Fotos. Wir alle koennen dort schoene Sonnenuntergang sehen, boah, echt zum Schwaermen.
Zurueck ins Hotel....wir assen wieder gemeinsam warme Abendbrot ....alle waren erschoepft vom langen Tagesausfluege.
am Sonntag, den 19.10. wachten Katie und ich wieder um 5 Uhr auf, um erneut den Sonnenaufgang zu sehen. Aber wir konnten nichts sehen, da es viel zu viele Wolken da waren, nur ein paar rosa-rote Farben. Ein Glueck fuer uns, dass wir bereis eine Tage zuvor beobachten konnten.
An diesem Tag machten wir alle letzten Tagesausflug zum Vivekananda Kendra, neben Thiruvalluvar Statue. Wir besichtigten dort.

Allgemein fanden Katie und ich Ausfluege am WE schoen, lustig und nett. Aber es war eher zu hastig fuer uns, da wir keine Zeit nehmen koennen, entspannt bestimmten Dinge zu beobachten oder zu fotografieren. Wir mussten "schneller" sein, von Ort zu anderen Ort zu "huepfen". Der Guidemann sagte oft, wir muessen weiterfahren etc. Wir sahen also fuer jede Ausflug kurz. Wir konnten nix ganz frei entscheiden oder mussten an bestimmten Zeitpunkt zuruecksein etc. Deswegen waren Katie und ich froh, als Programm zu Ende ging. Denn wir wollten bisserl allein und unabhaengig sein, sowie in Ruhe noch bisserl Kanyakumari erforschen. Daher haben wir uns kurz im Internetcafe gesessen und gesurft.
Danach haben wir uns frische Kokossaft aus dem frisch abgeschnittene Kokosnuss gegoennt und dann Kokosfleisch gegessen. Lecker und frisch! Spater Chai-Tee.
Bedauerlicherweise hat Katie spaeter Milchshake mit Eiswuerfel getrunken, was sie dann die Folge davon traegt. Es ging ihr einige Stunden spaeter richtig so ploetzlich schlecht fuer den Rest des Tages. Sie schlief nur noch auf dem Rueckfahrt im Bus neben mich. Ich kuemmerte um sie und achtete darauf, damit wir Bus-Haltestelle bzw. -station nicht verpasst und aussteigen koennen.
Jedoch haben wir ein Bus in Alwarkurichi verpasst und mussten eine Stunde halb auf naechsten Bus warten. Wir wollen nicht mit dem Rischka fahren, da der Fahrer viel zu viel Geld von uns verlangen. Als wir endlich in Sivasilem ankamen, war Avvai Ashram mit dem Gittertuer verschlossen, so mussten wir rueberklettern. Wir beide waren so muede und wollen nur noch schlafen. Endlich konnten wir gegen 12 Uhr oder halb eins in der Nacht ins Bett gehen, puh.
Am Mo, Di und Mittwoch war ich sehr sleepy, da ich am WE in Kanykumari wenige Schlaf hatte und deshalb viel dazwischen geschlafen, bis ich mich erst am Do erholt fuehlte.

Am Donnerstag, den 23.10. habe ich einfach so mal gewogen, wie schwer ich nun bin.
Denn ich fuehle und sehe, dass ich abgenommen habe, deswegen will ich wissen, wieviel kg ist verloren gegangen.
Ich war ueberrascht, dass ich den Waage sah, dass ich 7 kg innerhalb von 2 Monaten verloren habe. Das ist aber echt viel fuer 2 Monaten.
Ich wundere mich, denn ich esse immer, wenn ich Hunger habe und nasche zwischendurch auch mal was Suesses.

Katie und ich planen naechsten WE, nach Madurai zu fahren.

Machs gut....hoffentlich hoere ich bald was von euch.
Lg, Simone



6th Mail
08.11.2008

Hallo alle,

erstmal danke an einigen, die mir Mails geschrieben haben. Das hat mich gefreut, einige Neuigkeiten zu lesen.

Ich freue mich taeglich bestimmten Hund zu sehen. Denn er ist so lieb und weisst ganz genau, dass er Streichelheiten und bisserl Liebe von mir und Katie kriegt. Wenn er (liegend) mich auf der Strasse in Sivasilem sieht, steht er auf und geht zu mir. Das ist gestern passiert, wie suess. Dann verfolgt er mich eine Weile, da er noch mehr Streichelheiten von mir haben will. Das goenne ich ihn. Ich ueberlege mir noch, welche Name ich ihn geben werde....ich werde mal mit Katie reden...hihi.

Vor einer Woche am Donnerstag frueh ging mir ploetzlich so uebel und war arbeitsunfaehig. Ich lag nur am Tag im Bett und uebergab viel, tja. Ich machte mir Sorgen um Wochenende in Madurai, ob ich eventuell verpassen werde oder nix. Ich habe nur noch gehofft, dass es mir am Freitag besser gehen wuerde.
Tatsaechlich ging es mir am Freitag viel besser, aber immerhin noch sehr schwach. Ich beschloss, doch gemeinsam mit Katie nach Madurai mit dem Zug zu fahren. Das Fahrt dauert ca. 5 Stunden lange. In Sivakasi (Zug - Haltestelle) gab ein Mann vom Projects Abroad Pakete fuer mich und Katie ab. Ich war soooo froh, dass es in meinem Paket Zwieback drin war. Ich habe mich gleich damit aufgepaeppelt.
In Madurai angekommen, suchten wir zuerst unsere Unterkunft fuer 2 Naechte. Wir vergliechten einige Hotels und fanden ein billigsten Hotel ohne Mahlzeiten, aber Doppelzimmer mit Bad, Balkon und Klimaanlagen. Das Doppelzimmer kostet fuer 2 Naechte nur 320 Rupees (1 Euro = Rs 60). Um Mahlzeiten mussten wir ausserhalb von Hotel kuemmern...das war aber kein Problem gewesen. Es gibt einige gute Gastaurant. Zuerst assen wir unseren Abendessen irgendwo im FastFood. Wir assen ganz europaeisch bzw. amerikanisch. Ich ass kleinen Pizza, Katie Burger. Mein Pizza bestand aus 8 kleine Schnitte. Ich schaffte jedoch nur 6 Schnitte zu essen, puh. In Indien isst man sehr fettarm, zuckerarm und kaum Oel etc. Daran hat meine Magen gewoehnt, nun ploetzlich Pizza mit viel Fett (Kaese) und dicker Teig (viel Weizen etc), puh. Mein Magen fuehlte sich danach schoen schwer an, lach. An diesem Abend ging es mir ganz prima und fit. Wir spazierten durch Madurai, ja eben Nightlife. Wir sahen von aussen Tempels, mehr konnten wir nix sehen, weil es dunkel war. Was verrueckt war, dass ein Strasse um Tempel nur von Geschaefte mit Kleidungen besessen ist, aber ein anderen Strasse nur noch von Schmuckgeschaefte etc. Ich frage mir nur, wie sie damit Einnahmengewinn machen wollen.
Am Samstag liessen wir uns mal ausschlafen und ging schoen Fruehstueck. Ich ass und trank britisch, Katie indisch. An diesen We hatte ich einfach genug vom indischen Food und wollte mal eine Abwechlung haben. Das tat mir gut.
Wir hatten unsere Plaene fuer Samstag, was wir machen wollen: Tempel, Museum und Palast besuchen. Das aenderte sich blitzartig und spontan, als wir "richtiges" Buchladen sahen, das wir vermisst haben. Wir gingen dahin und stoeberten dort herum. Ich besorgte einige Buecher (Fabel und Bilderbuecher fuer kleine Kinder) in Englisch fuer Gl-Schule. Das war ein gutes Buchladen gewesen, wobei wir einige Buecher gefunden haben, was wir brauchten.
Dann gingen wir zu Fuss ueber 2 Bruecke zum Supermarkt, zwar auf dem stark befahrenden Autostrasse, also es war kein Fussweg in Sicht. Ganz schoen gefaehrlich, aber ok. In Deutschland wuerde ich so was nicht wagen, in Indien tue ich aber, weil anderen Menschen auch tun und es gab sonst kein anderen Weg, dorthin gehen zu koennen. Waehrend Mittagszeit assen wir was und machten uns im Hotel bisserl Pause. Danach sind wir wieder draussen und gingen zum Tempel, um dort zu besichtigen und auch kleine Shops. Dort trafen wir zuefaellig 2 junge hd Menschen aus USA. Eine davon kann ASL, dabei war ich ueberrascht, wow. Wir haben untereinander eine Weile unterhalten, in ASL. Nette Personen. In einer kleinen Shop mit bunte schoene Umhaengetasche hatte eine Frau Mitleid mit mir, weil ich gl bin und nicht gut reden kann. Sie machte mir einen Freundschaftspreis fuer mein ausgewaehlten Umhaengetasche und Fusskette, wow. Ich habe auch dazu gebeten, auch fuer Katie solchen Preis anzubieten. Gesagt und getan. Sie schenkte zuerst mich, als sie allein mit mir war, kleinen (aehnlich wie Geldboerse) bunten Tasche umsonst. Ich bat sie, auch fuer Katie mit zu schenken. Das hat sie getan.
Wir waren ganz kurz im tempel gewesen, weil wir dann gegen 18 Uhr eine enge Freundin von Katie treffen wollen. Sie heisst Mary und stammt auch wie sie aus USA. Sie macht Auslandsstudium in Chennai, Haupststadt von Tamil Nadu, Sued-Indien. Mary ist nicht allein, ist zusammen mit amerikanischen Gruppe nach Chennai angereist, wird im Dezember wieder zurueckfliegen.
Katie, Mary und ich gingen gemeinsam in schoenen Hotel, zwar auf dem Dachgeschoss. Dort assen wir unsere Abendessen. Katie und Mary schwatzen viel und Katie uebersetzte ab und zu fuer mich, ueber was sie reden. Ich liess beide aber in Ruhe und schaute in meinem Zeitschrift, da ich beide bei der Unterhaltung goennen will, denn sie beide haben eine Weile lange nicht mehr gesehen. Ich habe ja genug Zeit mit Katie danach und an anderen Tagen ;o)
Danach sind wir zurueck zu dem Gruppen, wo wir gemeinsam wieder ganz kurz Tempel besichtigt haben. Einige aus diesem Gruppe koennen ueberraschend auch gaaaanz bisserl ASL. Ich unterhielt auch mit denen bisserl in Englisch. Zu meiner Ueberraschung verstanden sie mich meist, wenn ich in Englisch spreche.
Lehrerinnen an der Gl-Schule verstanden mich oft wenige, wenn ich in Englisch rede, komisch.
Am Sonntag haben wir uns beinahe verschlafen,standen schnell auf und packten zuerst unsere Gepaeck ein. Dann konnten wir bisserl in Ruhe fruestuecken. Dann haben wir uns schnell Zugticket fuer Rueckfahrt besorgt. Danach sind wir mit dem Rischka zum Palast gefahren und haben dort besichtigt. Gegen Mittagszeit mussten wir schnell zurueck zum Hotel, Gepaeck abholen, dann zum Hauptbahnhof, puh. Diesen Sonntag waren wir irgendwie im Zeitdruck, grins.
In Sivasilem abend angekommen besuchte ich einfach Gl-Schule und wollte einige einfach mal so Hallo sagen und unterhielten mit denen bisserl.

Seit Mittwoch habe ich ploetzlich eine aeltere Schwester. Eine nette Lehrerin namens Rama nannte mich 'kleine Schwester'. Sie ist 30 oder 31 jahre alt und hat eine suesse Tochter (ein Jahre alt). Mit ihr kann ich relativ gut in Englisch reden (wenn nix, dann schriftlich), andere kaum (meist nur schriftlich).

Naechsten WE werden wir in Sivakasi sein. Ab 28.11. werde ich zusammen mit Katie fuer 2 Wochen lange nach Kerala fahren und dort herumreisen. Am 13.12. werde ich wieder in Sivesilem sein.

Heute werden Katie und ich einen kleinen Stadtbummel in Tenkasi machen. Darauf freue ich mich. Wir lieben Tenkasi sehr, einfach schoene Stadt.

Lass euch gut gehen. Ich melde mich in 2 Wochen wieder.
Lg, Simone



7th Mail
22.11.2008

Hallo, ihr alle Lieben!

Es ist schon wieder was Lustiges, aber auch Aergerliches passiert:
Am letzten Montag, den 17.11. vormittag war ich im Badezimmer und Katie machte noch ganz kurze Nickerchen.
Im Badezimmer hoerte ich was Lautes. Es hoerte sich so an, als wuerde die Tuer zuknallen. Dann wollte ich schnell nachschauen, was los war. Katie sagte "Sorry" zu mir, aber ich verstand nicht wieso und fragte, was passierte. Sie erzaehlte mich, was passiert war.
Ein Affe war schon wieder in unseren Zimmer betreten waehrend Katie Nickerchen machte. Als sie wach durch komisches Geraeusch wach wurde und dachte ich sei es, aber sie sah nur diesen Affe. Sie versuchte ihn zu vertreiben und ihn angeschrieben, damit er endlich aus dem Staub machen kann. Bedauerlicherweise stahl er schon wieder mein Leckerlis, das ich eine Tage zuvor fuer mich besorgt habe: 4 Babybananen und lief weg. Als ich das erfuhr, war ich total sauer, weil ich so gerne Babybananen ass. Ich fragte Katie, wo er nun ist. Sie zeigte mich, wo. Ich bin gleich zu den Treppe hinauf gegangen und sah, wie er auf dem kleinen Dach sass und genuesslich meine Bananen ass. Ich war immer noch veraegert und zeigte ihn mehrmals mein Stinkefinger und ueberlegte, wie ich ihn mein Wut spueren lassen kann. Ich wollte ihn irgendwie bestrafen lassen. Ich riss ein kleinen Blatt vom Baum ab und warf zu den Affe. Der Blatt ist ja doch harmlos, oder. Ploetzlich wurde es deutlich, dass er wuetend wurde und rannte schnell auf dem Weg zu mir. Es hat so ausgeschaut, als wuerde er auf mich zuspringen und mich angreifen wollte. Ich erschrak, schrie vor Angst und fiel auf dem Treppe. Katie stand hinter mich auf dem Treppe und schrie auch fuer mich mit. Er war mir genug sehr nah. Anscheinend hat der Affe meine Schreie und auch von Katie gehoert und stand sofort, wo er war. Affe ging dann wieder zu den alten Stelle und ass weiter Bananen. Mein Herz klopfte so wild, puh. Er stand weniger als eine Meter vor mir !!! Mir ist also nichts passiert.
Katie und ich gingen dann wieder in unserem Zimmer und mussten irgendwie darueber lachen, was es schon wieder passierte. Dieser gemeiner Affe versuchte wieder in unseren Zimmer zu gelangen. Wir haben ihn sofort verjagt und schnell den Tuer abgeschlossen. Die Tuer war vorher zu, aber nicht abgeschlossen. Na so was...man kann sehen, dass dieser Affe nicht bloed ist.

Letzten WE waren Katie und ich nicht in Sivakasi, sondern in Kovalem (Kerala). Die Mitarbeitern vom Projects Abroad hat Plan geaendert. Wir erfuhren nur 2 Tagen vorher, bevor wir eigetlich nach Sivakasi fahren wollten, aber wir entschieden doch nach Kovalem zu fahren, um dort mit anderen Volunteer zu treffen.
Katie fuhr am Fr, 14.11. zuerst allein nach Tenkasi, da sie dort was besorgen musste und ich musste ein paar Stunden an der Gehoerlosenschule arbeiten. Als es soweit war, dass ich zum Bushaltestelle gehen wollte. Ich sah in der Ferne ein Bus. Eine Frau machte so einen Zeichen und verstand irgendwie mit UNsicherheit, dass das Bus nach Alwarkurichi faehrt. Ich ueberlegte, ist doch nicht zu frueh....ich fragte erneut schnell...ist das Bus nach Alwarkurichi....diese Frau nickte. Ich dachte, oh mein Gott, muss das jetzt sein....Ich rannte schnell zu dem Bus, aber das Bus fuhr los....ich schrie laut "STOP". Das Bus hielt sogar fuer mich, puh. Ich habe Glueck gehabt, sodass ich nicht auf naechsten Bus warten muesste. In Tenkasi angekommen trafen Katie und ich und fuhren gemeinsam mit dem Bus gegen halb 2 nachmittag von Tenkasi aus nach Trivandrum gefahren. Die Fahrt war anstrengend, aber interessant. Wir sind uebers Mountaine mit kurvenreiche (echt holprige und schmale) Strassen gefahren. Es gab Zwischenstopps fuer Pause. Da musste ich mal aufs Klo gehen. Es gab aber kein WC. Also gehe ich irgendwo im Busch, an dem einigen kleinen Haeuser vorbei. Einige junge indischen Frauen sahen mich als Weisse und waren neugierig...wollten wissen, was ich tat. Ich wusste nicht so recht, was ich tun soll. Ich fragte denen, ob diese Stelle okay fuer WC ist. Sie nickten, blieben aber dort stehen. Ich wurde unsicher und fragte erneut. Sie nickten erneut und blieben stehen.
Dann entschied ich, sie ignorieren und machte mein Geschaeft. Sie beobachteten mich, wie ich ihn mache, tja. Ich laechelte sie trotzdem an. Es war nur bisserl komisch fuer mich, beobachtet zu werden, aber okay, hihi.
Gegen 19 Uhr in Trivandrum angekomme suchten wir geeignetes Bus nach Kovalem. Wir fanden ihn und musste warten, bis es losfuhr. An einer Bushaltestelle in Kovalem ausgestiegen gingen wir zu Fuss auf der Suche nach dem Hotel, den wir gebucht haben. Es war dunkel, das bedeutet, es wird schwierig, Hotel zu finden. Wir suchten und suchten, fragten und fragten jemand, wo der Hotel ist. Als wir zufaellig ein Mann und eine Frau trafen. Eine Frau arbeitet zum Glueck in der Naehe vom Hotel (oder dort) und fuehrten uns dorthin. Wir waren denen so dankbar, dass wir endlich nach einer Weile Hotel gefunden haben, gegen 21 Uhr. Danach sind wir noch schnell zum Gaststaette gegangen, wo anderen Volunteers dort sassen. Diese Gaststaette lag sehr nah am Strand...man kann Meer sehen, wow. Was fuer schoene Brise Wind vom Meer. Ich ass nach langer Zeit endlich wieder Spaghetti mit Napoli und Kaese. Das war wirklich sehr gut, wow. An diesem Abend war ich recht muede vom langen Busfahrt, puh. Katie und ich gingen aber gegen 0 Uhr ins Bett.
Wr liessen uns am naechsten Tag bis 7 Uhr ausschlafen und machten uns bei "German bakery" schoen gemuetlich. Wir assen dort Fruehstueck und unterhielten uns eine Weile. Wir sassen an einem Tisch mit dem Blick zum Strand und Leuchtturm, wow. Im German bakery haben wirklich europaeisches Fruehstueck zu bieten, speziell deutsch, franzoesische, englische, italienische etc. Fruehstueck. Sie haben natuerlich auch indischen Fruehstueck zu bieten. Ich entschied jedoch fuer indischen Fruehstueck (Poori mit Masala), da die Auswahl zu gross war und nicht wusste, was ich denn sonst waehlen soll. Wir haben uns an diesem Tag gemeinsam mit andere Volunteers schoen gemuetlich gemacht, einfach nur entspannen und nahmen uns Sonnenbad. Wir waren nur kurz im Meer gewesen ud konnten nicht laenger dort bleiben, da es dort einige Quallen schwamen...man soll mit denen nicht zu nah drankommen.
Wir lagen also auf dem Sand unter dem Sonnenschirm und spielten UNO eine Weile. Ich bin bisserl mehr braeunlich geworden. Danach haben Katie und ich uns schnell im Hotel erfrischt. Nun haben wir uns schoen durch Kovalem gebummelt und einige schoene Klamotten bzw. Sachen eingekauft. Kaum zu glauben, ein sehr schoenen langen Kleid aus Seide, in den ich verliebte, kostete zuerst 1150 Rupees. Als ich erfuhr, lehnte ich sofort ab und ging. Der Verkaeufer wusste von meiner Gehoerlosigkeit und rannte nach meiner Ueberraschung zu mir und machte einen Angebot von 600 Rupees fuer diesen Kleid, ich jedoch aber nur max 500 Rupees ausgeben wollte. Einige Weile spaeter willigte er mein Angebot ein und ich bezahlte NUR die Haelfte, boah. Ich bekam schon einige Vorteile, nur weil ich gehoerlos bin und "nicht gut sprechen kann". Ich habe eben typischen gehoerlosen Stimme. Viele haben Mitleid mit mir und machten mir "Extra"-Angebot, weniger bezahlen zu muessen. Katie hat Glueck, mich zu haben, da sie auch weniger wie ich bezahlen konnte.
Gegen halb 8 abend gingen wir zum Gaststatte...ich trug stolz neuen Kleid (nicht diesen, sondern 2. anderen Kurzkleid). Ich ass Nudeln mit Tomaten, Knoblauch, Scrimbs und Kaese, lecker. Ich habe noch frisches Mangolassi getrunken.
Ich kann nur sagen, dass Kovalem wirklich 100% Touristenstadt ist. Ich sehe ueberall weisse Menschen, boah. Eine grosse Unterschiede zwischen Kovalem und mein Praktikumsort in Sivasailem.
Am So, 16.11. fruehstueckten wir wieder bei German Bakery. Ich ass diesmal europaeisches Fruehstueck ausfuehrlich: kleinen Schuessel Muesli mit Fruechte+Milch, 2 Scheiben Sesambrot mit Honig und Schokolade, Minttee, frischgepresste Papayasaft und Ice Coffee mit Orange/Zimt/Vanilleeis. Das alles kostet 300 Rupees, also umgerechnet nur 5 Euro. Ich fruehstueckte also schon luxurioes, wahnsinnig. Fuer indischen Menschen ist 300 Rupees als Fruehstueck zu teuer.
Wir sind nun mit dem Bus weiter nach Trivandrum gefahren und dort bisserl bis Mittagszeit gebummelt. Wir fuhren mit dem Bus um 12.10 los nach Tenkasi. Wir sind aber erst gegen 18 Uhr in Tenkasi, 20.30 Uhr in Sivasailem in unseren Zimmer angekommen, puh. Was fuer lange Fahrt ist das! Es gab 2 Stunden lange oder so Stau auf dem Strassen in den Moutaine, da es nur ein sehr kleinen Bruecke gibt, durch den man nur ein Lastwagen, Bus oder Auto fahren kann. Es hatte sich sehr lange Schlangen gebildet, wie verrueckt.

Ich wollte heute einige Sachen, die ich in Indien bis zur Rueckflug nicht mehr brauche und inzwischen auch neu eingekauft, mit dem Paket nach Deutschland schicken. Das habe ich ihn noch bei mir. Ich konnte ihn aber nicht versenden, da Mitarbeitern im Post keine Formulare fuer Paket zum Ausfuellen etc haben. So werde ich ihn wohl wieder zurueck nach Sivasailem per Bus schleppen, naja.
Ich traue mich nun nicht mehr, nochmals zu versuchen, per Paket zu versenden. Ich werde also versuchen, irgendwie alles in meinem Rucksack hineinpassen zu koennen, hoffentlich.

Seit vorgestern regnet es wieder viel, puh. Ich hoffe, dass es morgen sonnig wird. Denn morgen findet Sportfest an der Gehoerlosenschule statt, zusammen mit hoerenden Kinder aus dem Avvai Ashram. Ab Nachmittag oder Abend soll richtig gefeiert werden.

Ich sage euch schon mal Bescheid, dass ich ab Sa 29.11. bis Sa 13.12. (2 Wochen lange) zusammen mit Katie durch Kerala reisen werde. Ich weiss nicht, ob ich zwischendurch mal ans Internet kommen werde. Vielleicht, mal gucken. Ich freue mich so riesig auf Kerala zusammen mit Katie, yeah.

Lass es euch gut gehen.

Liebe Gruesse aus Indien,
Simone



8th Mail
20.12.2008

Hallo alle lieben,

mir gehts gut. Ich bin wieder in Sivasilem.

Ich war zusammen mit Katie 2 Wochen lange in Kerala gewesen. Es war schoen. Leider lief die Zeit dort viel zu schnell, naja.

Zuerst moechte ich entschuldigen, da ich nicht so lange Mail schreiben werde, was ich in Kerala erlebt bzw. gesehen habe. Das ist viel zu viel.
Ich habe aber auf dem Papier zitiert, damit ich nicht vergesse, zu erinnern etc.

Ich mache es also ganz kurz:

Wir fuhren zuerst mit dem Zug und Bus von Tenkasi nach Varkala.
In Varkala blieben wir 4 Tagen. Ich kann nur sagen: Varkala ist beste von den ganzen 2-woechigen Reise in Kerala.
Dort kann man schoen entspannen (sogar am Strand oder am Felsenkliff), am Meer schwimmen, irgendwo schoen sitzen und gute Getraenke (wie frische Mango- oder Ananas-Lassi oder Masala Chai Tee etc.) trinken, und shoppen. In Varkala kann man prima shoppen. Ich konnte vieles finden, was ich wollte, yeah.
Dort trafen wir zuefallig anderen Volunteers, die wir bereist von vorher kannten (in Kanyakumari und Kovalem) udn unterhielten bisserl.
Dann gehts nach Cochin (Stadtteile: Ernakulam, Fort Cochin, Mattancherry). Dort blieben wir 3 Tagen lange.
Schoenste ist in Fort Cochin und Mattancherry. Dort sind wir an einem Tag mit dem Rad gefahren. Scheisse daran war, dass mein Sattel zu niedrig war. Man konnte ihn nicht hoeherstellen, argh. Mein arme Beine. Dafuer haben wir was Schoenes verdient: am darauffolgenden Tag gingen wir zum Ayerverdu. Dort liessen wir getrennt in 2 Raeume von 2 Frauen ganz massieren. Entspannung pur.
Nun nach Allapuzha. Dort trafen wir einige Volunteers von Varkala wieder und fuhren mit dem Hausboot 2 Tage lange durch Backwater. Schoen ruhig und angenehm. Natur pur.
Am ersten Tag konnte ich wunderschoene Sonnenuntergang sehen, ueberall schoen rot und das Wasser spiegelte sich auch rot, ahhhh echt schoen zum Traeumen. Auf dem Hausboot bekamen wir sehr gutes Essen, lecker und viel Masala Chai Tee getrunken.
Danach beschlossen Katie und ich, nochmals nach Varkala mitm Bus zu fahren. Wir wollen dort fuer den letzten Tage (2 Tage) einfach nochmal schoen abhaengen. Wir lieben Varkala.
Zum Schluss ging es ab los nach Thrissur...wir blieben dort nur ein Nacht. Danach fuhren wir noch gemeinsam mit dem Zug auf dem Heimweg.
In Tirunelveli stieg ich aus dem Zug aus....wir trennten uns also den Weg, schnief. Sie fuhr weiter allein nach Sivakasi.
Ich fuhr nun allein mit dem Bus nach Sivasilem zurueck.
Das Zimmer, in dem ich wohne, fuehlt sich ohne Katie leer und komisch an, tja. So ist das Leben, hm.
In 2 Wochen werden 2 neue Volunteers hierher kommen, eine stammt aus Deutschland (Alter:26) und andere zweite aus Schweiz (alter: 31).
Katastrophe ist, dass alle zusammen 3 Personen in einem kleinen Zimmer teilen werden, ahhh. Das wird eng, puh. Da bleibe ich dann nur noch ca. 3 oder 4 Wochen mit denen, da ich zwischendurch wieder kleinen Rundreise mache, zwar in den Schulferien. Diesmal gehts ab nach Chennai (nur Zwischenstation), Mamallapuram, Pondicherry etc.

Zum Schluss:

Ich wuensche euch alle ein frohes Weihnachtsfest und einen guten gesundes Rutsch ins neue Jahr 2009.

Liebe Gruesse aus Indien,
Simone



9th Mail
05.01.2009

Hallo alle Lieben,

ich bin wieder unterwegs, da mein Schule bis 18.1.2009 Ferien hat.

Zuerst bin ich am 3.1. abend by Nachtzug von Tenkasi nach Chennai gefahren.
Am 4.1. gegen 7.30 Uhr bin ich in Chennai angekommen und machte auf der Suche nach Pit Sorge per Ricksaw.
Ich besuchte ihn und deren Freunde in Chennai.
Dort habe ich fruehstueckt, frisch geduscht, bisserl relaxt....mit Pit ueber verschiedene Themen unterhalten.
(Woher ich Pit kenne....seine und meine Mutter sind Kolleginnen. Pit und ich haben zuerst uebers Muetter waehrend meiner Aufenthalt in Indien Kontakt aufgenommen, in Chennai erstmals persoenlich kennengelernt. Er ist auch in Indien, jetzt in Mysore/Karnataka).
Nach dem gemeinsamen Mittagsessen bin ich allein weiter nach Mamallapuram mit dem Bus gefahren. Zufaellig war auch eine weisse Frau mit im Bus. Ich habe sie einfach angesprochen und gefragt, woher sie stammt.....natuerlich alles ueber schriftliche Kommunikation in englisch. Sie stammt aus Holland und hat zuerst in Nordindien fuer eine Monat gereist, jetzt in Suedindien nochmals fuer eine Monat.
Bis morgen werde ich noch hier bleiben. Dann werde ich weiter nach Pondicherry by Bus fahren. Dort werde ich 2 bis 3 Tagen bleiben, mal gucken, was dort alles zu bieten hat. Dann nach Trichy by Bus, nun zurueck nach Madurai und nun Tenkasi.
Ich mache diesmal kein grossen Reise.
Denn ich moechte in Sivasilem sein, bevor es 14.1. wird. Am 14.1. ist ein besonderen Tag fuer Indien: Pongal

(mehr darueber:: http://www.inside-india.com/level2.php?cate_id=6&scate_id=39&code=S011&lang_code=de&cmd=show )
Ich bin neugierig, wie es so gefeiert wird.

Uebers Weihnachten war ich nicht allein. Ich war bei einer gl Frau Glory und ihren hd Familie (alle sind christlich) fuer Weihnachten von 24.12. bis 26.12. eingeladen, zwar in ihren Heimatort. Wir uebernachteten bei juengeren Schwester von Glory. In ihren Heimatort sind alle Einwohnern christlich.
Irgendwie war ich innerlich jedoch allein, ohne meine Familie. Als ich mein SMS von meiner Mutter bekam und las....dann weinte ich von meiner Seele heraus...es tut irgendwie weh, ohne meine lieben Familie zu feiern. Glory sagte, ich sollte nicht weinen, sondern mit dem Weinen aufhoeren, da sie und ihren Familie fuer mich da sind. Das ist lieb von ihr, aber das hilft mir nicht, denn ich weinte dann noch mehr und ging oben auf die Balkon, um wenigsten allein zu sein und Ruhe zu haben. Aber oben waren die Kinder...schauten mich zu und wunderten sich, warum ich weinte. Ich sagte denen, dass sie bitte gehen sollen, da ich allein sein wollte. Ich musste mehrmals denen erklaeren, dass sie bitte gehen moegen und mich allein lassen sollen. Ehrlich gesagt, ich war nur einige Minuten tatsaechlich allein, dann waren Kinder wieder da und schauten zu, argh. Keine Chancen, in Indien allein zu sein!
Am 24.12. um 19 Uhr gingen wir alle gemeinsam in die Kirche und schauten den Buehnenauftritte von den Kindern, die entweder Taenze zeigte oder Gebet vorsprachen. Danach in der Nacht um 3 (!!!) Uhr gingen wir wieder hin. Dort fand nur Gebet statt und das 3 Stunden dauerte. Warum um 3 Uhr in der Nacht...das ist die Geburtsstunde von Jesus, so Glory.
Ab 7 Uhr wurde laut mit dem Feuerwerke geknallt, verrueckt so frueh am Morgen. Nachbaren und Freunde von Glory tat das auch.
Zum Mittagsessen assen wir gelben Reis mit Chicken, lecker. Ich war einfach faul und sass/las Zeitschriften oder schlief, da ich in dieser Nacht nur 3 Stunden geschlafen habe. Am 26.12. fuhren Glory und ich wieder zurueck nach Sivasilem.
Das Essen uebers Weihnachten war ueblich, nicht besonders. Eben das Gleiche, wie ich bisher in Indien gegessen habe, ausser am 25.12. mittag.

Das Silvesterfeier gilt nur bei christliche Menschen, also nix fuer Muslimen oder Hindu's. Normalerweise sollte ich uebers Silvester wieder bei Glory' Familie sein, aber ich war krank (schon am 29.12.2008). Ich dachte an Deutschland, meine Freunde und Familie, wie und was sie dort so gefeiert haben. Da habe ich fuer eine Moment gesehnt, tja.
Ich bekam am So, 28.12. ploetzlich Kopfweh und Husten. Ich dachte eher, dass es vom Schlafmangel kommt, also blieb ich gelassen.
Am naechsten Tag wurde schlimmer, aber ich hielt durch und fuhr nach Tenkasi, um Zugticket nach Chennai zu kriegen.
Zurueck nach Sivasilem ging ich gleich ins Bett und fror, obwohl mein Gesicht+Koerper gluehte (spaeter gluehte nicht mehr): Kopfweh, Husten, Schnupfen, kurzzeitiges Fieber. Also nahm ich Kontakt zu Bala, ein Mitarbeiter vom Projects Abroad, per SMS, dass ich zum Arzt gehen wollte, da ich den Verdacht hatte, eventuell Malaria haben zu koennen. Er erklaerte eine alte Frau uebers Telefonat, die im Avvai Ashram lebt, welche Plm ich habe. Sie begleitete mich zum Arzt in Ambai. Die Aerztin kann englisch aber nahm mich irgendwie nicht ernst....sie sagt ich habe no Fieber, nur Husten. Also bekam ich Tabletten gegen Kopfweh und Husten. Ich wollte mehr Informationen kriegen, aber sie ignorierte mich...alte Frau konnte mich auch nicht helfen, da sie nicht englisch kann, naja.
Am Dienstag zeigte keine Besserung durch die Wirkung von Tabletten....sondern nur schlechter geworden: staerkere Kopfweh, starke Erschoepfungsgefuehl, mehr Husten, Frieren mit gluehenden Koerper (andauernd bis abend) Also ging ich wieder zum anderen Arzt...meine Schulleiterin hat mich dort begleitet und mich geholfen. Ich schilderte dort mein Problem und Verdacht wg Malaria. Endlich nahm der Arzt, wie ich mir gewuenscht habe, mein Blut fuers Test ab.
Entwarnung, no Malaria (puh), sondern Typhoid Fever, ausgeloest durch Wasserinfektion. Endlich bekam ich den richtigen Tabletten dagegen. Ich schlief zur Sicherheit fuer eine Nacht bei Schulleiterin' Zuhause. Danach war ich wieder in meinem Zimmer in Waisenheim. Ich blieb 3 Tagen lange in Bett und schlief sehr viel und bekam nur abgekochtes Wasser zu trinken.
Erst am Fr, 2.1. machte ich vorsichtig auf die Bewegung zur Gl-Schule um zu sehen, wie es mir dabei geht. An diesem Tag ging es mir schon viel besser. Ich habe also Glueck, dass es heute primageht und reisen kann....am 3.1. bin ich gereist, obwohl ich bisserl geschwaecht war...ich musste mich durch Essen aufgepaeppelt werden.
Also, mache jetzt keine Sorgen mehr um mich...mir gehts es ganz prima und nehme bis Dienstag frueh Tabletten.

Am 3.1. ist eine neue Volunteer nach Sivasilem gekommen. Sie heisst Daniela und stammt aus Schweiz. Sie wird 2 oder 3 Monaten dort bleiben. Am 7. oder 8.1. soll zweite Volunteer kommen, zwar aus Deutschland. Dann wird es eng mit dem Zimmer zu dritt. Ich bin aber froh, dass ich dort dann nur wenige Wochen wohne, dann ab gehts nach Mysore (7.2.) by Nachtzug.

Wie war fuer euch Weihnachten und Silvester? Wie und wo habt ihr gefeiert?

Liebe Gruesse aus Mamallapuram,
Simone



10th Mail
31.01.2009

Hallo ihr Lieben!

Tschuldige, ihr wartet bestimmt seit Wochen auf meinem Mail, nicht wahr?

Heute erhaeltet ihr mein letzten Mail aus Tenkasi. Weitere Mails wuerde entweder aus Mysore oder Bangalore erfolgen.

Die ein-woechige (3.1. bis 10.1.) Reise nach Chennai, Mamallapuram und Pondicherry war schoen. Es war eine interessante schoene Erfahrung, allein zu reisen...anders als zu zweit. Mehr darueber erst, wenn ich da bin, hihi.

Ich teile nun seit 10.1. abend das Zimmer zusammen mit 2 anderen Volunteers.

Zweite heisst Mandy (die Kraeftige) und stammt aus Sachsen/Deutschland...sie ist 31.
Wir kommen miteinander gut aus. Leider koennen sie gar keine Gebaerdensprache beherrschen. Jedoch hat Daniela (die Schlanke), erste Volunteer (kam am 3.1. hierher), gute Mundbild, so dass ich sie gut verstehen kann. Sie versteht mich auch gut. Leider laeuft die Kommunikation zwischen Mandy und ich schwierig. Ansonsten ist ok.

Die letzten Woche (11.1. bis 18.1.) in den Schulferien habe ich fast taeglich Gl-Schule einfach so besucht. Ich habe an manchen Tagen zusammen mit denen gefruehstueckt oder Mittag gegessen. Am Pongal-Tag habe ich mit denen zusammen gefruehstueckt, dann gemeinsam DVD angeschaut. Wir haben einfach gemuetliche und entspannte Tag gehabt und unterhielt auch mit Glory im Arbeitsraum oder im Naehstube.

Bei mir herrscht die Arbeitsalltag seit 19.1 wieder.

Heute und letzten Samstag vor einer Woche wurde die Reifen des Bus auf dem Weg nach Tenkasi ueberraschend geplatzt und musste mitte auf der Strasse gewechselt werden, hihi.
Am letzten Samstag vor einer Woche dachte ich zuerst, jemand hat irgendwelche Dinge auf dem Boden des Bus gefallen, das ich gespuert habe. Aber der Bus hielt an, weshalb....also fragte ich Mandy und Daniela
(die auch dabei waren), sie sagten, dass die Reifen geplatzt war....ohweia...das konnte ich trotz Hoergeraet nix wahrnehmen, vielleicht war die Umgebung laut genug oder so, aber nix wichtig das zu hoeren. Wir drei stiegen aus, um zu sehen (eben aus Neugier). Fast alle Maenner aus dem Bus waren auf der Strasse. Entweder haben einige mitgeholfen und andere eben nur zugeschaut. Einige Minuten hupte ein anderen LKW ganz laut, um durchfahren zu koennen, siehe Bilder.

Am letzten Dienstag lieh ich von Daniela ein spannendes Buch "ein perfekter freund" (min. 350 Seiten) und las bis Mittwoch nachmittag trotz meines Arbeites in der Schule alles durch. Dann lieh ich wieder ein
interessantes Buch "andy und marva - 2kinder und ein krieg" (min. 300 seiten), zwar von Mandy, nun dies bis donnerstag abend durchgelesen. 2 Buecher in 2 tage und naechte, puh. dabei habe ich mit freude sehr genossen. richtig buch durchzulesen habe ich schon lange nicht mehr gemacht...denn ich lese bisher nur zeitschriften, die ich aus dtl kriege. eins weiss ich, ich will im buchladen in bangalore besuchen und dort
umschauen...laut reisefueher gibt es dort deutsche buecher...vielleicht auch dt. zeitschriften, die ich unterwegs lesen kann...

Ansonsten ist nicht viel passiert oder Neues. Es ist einfach viel ruhigeres verlaufen.

Heute ist mein letzten Tag in Tenkasi. Also mache ich kleine letzte Besorgnisse. Genau naechste Woche am Samstag werde ich Sivasilem verlassen...ohweia.
Natuerlich freue ich mich, meine Familie und Freunde in Deutschland wiederzusehen, aber andererseits...tja....5 Monate ist ja lang und beginne gerade richtig einzuleben und habe freunde hier lieb gewonnen.....und schon muss ich wieder verlassen. ich weiss nicht, wie die abschied sein wird....hm.
Am naechste Sa wird meine Schulleiterin und ihr Ehemann mich mit ihren Auto zum Tenkasi Hbf bringen und mich dort verabschieden. Mit meine solche Gepaeck und randvolle Bus mit Menschen wuerde ich nicht nach Tenkasi fahren koennen, da ist kein Platz fuer mein Gepaeck, daher mit dem Auto... Von dort aus werde ich mit dem ueblichen Zug nach Madurai fahren. Dort werde ich einige Stunden verweilen, bis ich endlich mit dem Nachtzug nach Mysore fahre.

Ihr werdet von mir wieder hoeren. machs gut.

liebe gruesse aus tenkasi,
simone



11th Mail
12.02.2009

Hallo alle lieben,

mir gehts gut und lebe in Mysore.

Ich wohne dort in einer Wohngemeinschaft mit 2 junge Japanerinnen mit Gemeinamschaftskueche/-bad und Selbstversorgung.
Wie herrlich, dass ich endlich selbst kochen kann, so wie ich will. Ich lebe dort so, als wuerde ich dort eine Weile leben, ops.

Ich fruehstuecke imma schoen lange und gemuetlich und lese dabei dt. oder engl Zeitschrift.
Ich gehe dann oft zwischen 11 und 12 Uhr raus, nix frueher. Morgen wird eine Ausnahme sein, gehe schon sehr frueh raus um nach Bangalore als Tagesausflug zu fahren.

Es gibt in Mysore sehr schoene grosse bunte Markt (Devaraja's Market).
Dort kann man frische Obst und Gemuese kriegen. Natuerlich war ich dort bereits mehrmals.
Taeglich esse ich frische Obst zum Fruehstueck mit Haferflockenbrei oder mit Reis und
Gemuese als Abendessen mit Reis.
Ich esse, seit ich in Mysore bin, kein Brot mehr und trinke schoen viel Tee.
Ich bewege mich auch taeglich sehr viel (min. 2 Stunden) und nebutze sooo wenige wie moeglich
Riksha.
In Mysore sah ich bereits Zoo, Naturpark mit See (wo man Voegel und Schmetterlinge beobachten kann), Rail Museum und war auf dem Chamund Hill. Natuerlich bin fast ueberall zu Fuss dorthin gegangen. Taegl bin ich abend erschoepft.
Ich sah auch zu, wie Pit als Physiotherapeut in einem Jag Therapy Centre arbeitet und kochte/ass mit ihm dann Lunch zusammen. Ich werde ihn als Yogalehrer am kommenden Mo wieder besuchen.

Uebermorgen werde ich Sandalwood Oil Factory besuchen, dort kann man sehen, wie man herstellt etc.
Am So besuche ich Maharaja's Palace und werde dann abend nochmals besuchen, um tausend lights zu sehen und fotografieren.

In Mysore bleibe ich bis 17.2. abend, dann fahre ich mit dem Nachtszug nach Vellore.
Am 19.2. nachmittag und am 20.2. vollen Tag werde ich in Chennai.
Am 21.2. vormittag werde ich in Dtl sein, aaahhhh.

Ist meine Zeit in Indien tatsaechlich schon bald vorbei?
Das mag ich gar nicht daran denken und nicht zurueck zu kalten Heimat, wo ich dick und warm anziehen muss und wieder Schuhe anziehen....tja. Dabei liebe ich barfuss so sehr oder mit sehr leichten Sandalen, schnief....
aber nix mehr lange bis zu Fruehling und Sommer in Dtl. wo ich wieder Wintersachen ablegen kann!!!

Ich habe den Eindruck, ich schreibe immer kurz und kuerzer Rundmails....
Eigentlich gibt es eine Menge zu erzaehlen....hm....das tue ich lieber persoenlich.....face to face.

Machs gut, liebe Gruesse aus Mysore.
Simone



12te Mail
22.02.2009

Hallo alle,

ich bin am Freitag, den 20. Februar früh gegen halb 8 gut in Frankfurt am Main gelandet.
Mein Vater hat mich abgeholt und gemeinsam nach Hause Erfurt gefahren.
Ich bleibe eine Weile (mindestens eine Woche) in Erfurt bei meiner Eltern. Ich weiß noch nicht, wann ich wieder in HH sein werde.

Zuerst dachte ich ich würde am Samstag, den 21.2. in FFM landen. Also > würde
ich am 20.2. nacht abfliegen etc. Am 19.2. abend im Hotel traf ich ein netter Mitarbeiter vom Projects Abroad und wir unterhielten darüber, wann ich losfahren zum Flughafen soll. Aber irgendwie wunderte ich mich (weshalb eine Tage früher und ob für mich okay wäre, 3 Stunden vor den Abflug Hotel zu verlassen) und fragte, ob er für nächsten Tag meinte. Er erwiderte: "Nein, das ist heute nacht!" Ich war wegen dem Datum verwirrt und zeigte ihn meine Flugbestätigung. Er schaute rein und meinte, dass ich am 19.2. abend zum Airport hinfahren soll und darauf in der Nacht wird es 20.2. sein. Mein Flug fliegt also am 20.2. um 1.50 am/Uhr früh am Morgen oder in
der Nacht. Ich war bisserl geschockt, dass es diesen Tag noch stattfinden sein soll....ich hatte bereits meine Eltern informiert, dass ich am 21.2. da sein werde. Eine Tage vorher schickte ich schnell SMS, dass ich schon morgen in FFM sein werde. Da musste ich nur schnell Sachen wieder einpacken und mich frisch machen. Stress pur. Ich war aber dem Mitarbeiter dankbar, sonst hätte ich den Flug verpasst, auweia.

Als ich aus dem kleinen Fenster im Flugzeug Schnee sah und erfuhr auch vorher von meiner Eltern per SMS, dass es in Dtl und in Erfurt sehr kalt ist (also minus 7, das war damals den Stand, jetzt ist etwas wärmer).... da dachte ich OH NEIN OH NEIN, hier in Indien ist besser und schön warm und sonniger....und ich dachte auch dort müsste ich wieder Schuhe und Wintersachen anziehen...das kostet nur Zeit, hihi. Ich hatte NUR ein schwarzen T-shirt, olivgrünen Leinenhose und eine Paar Strümpfe mit Wanderschuhe sowie ein Fleecejacke an. Natürlich war es zu wenige. Zum Glück hat mein Papi mir schön dicke Winterjacke mitgebracht (das habe ich ihn bereits vorher per SMS darum gebeten). Eine Weile später habe ich ihn angezogen, weil es im Flughafen noch warm war....aber erst als ich draußen war.....oh Gott brrrrrr.

An diesem Tag hatte ich soviele Energien in mir, obwohl ich müde war. Da packte ich schon mein Rucksack aus, alles! Und sortierte meine Sachen nach Farben (als Vorbereitung für Waschmaschine). Und, ich konnte kein Mittagsnickerchen und mir kein richtigen Ruhe gönnen, dafür saß ich im Badewanne und las Lustiges Taschenbuch. Ein Tag mit voller Aufregung. Nach dem Badewanne-Timing habe ich immer noch Power trotz Müdigkeit und ging schon unterwegs zum Rossmann, um mir entsprechenden Lotion für meine Haut zu besorgen. Meine Hände und meine Unterschenkel waren bei dieser Kälte sofort ausgetrocknet, boah.

Mein Ernährungsverhalten hat sich geändert. Ich kann und möchte nicht mehr so essen, so wie ich vor dem Indien gegessen habe. Ich achte plötzlich auch sehr, dass ich kein Produkte aus Weizen bzw.
Weizenmehl esse. Das Problem liegt auch, dass ich überraschend Blähung (zum ersten Mal in meinem Leben) kriege, wenn ich wie vorher esse. Ich muss aufpassen, wie und was ich esse, hm.

Ich vermisse schon sehr vielen Dingen (wie indischen Gerichte, ind. Tee etc.) und Leute in Indien, das in Deutschland nicht hat/gibt.

So, langsam müsste ich mich von dem Rundmail verabschieden. Vielleicht schreibe ich noch allerletzten Mail, wenn ich wieder in HH bin....wer weiß.
Ich denke, ihr werdet mein Rundmails mit interessanten bzw. spannenden Berichte vermissen.
6 Monaten gingen wirklich viel zu schnell vorbei. Ich fühle mich so, als würde dies nur 2 oder 3 Monaten sein, aber ich war 6 Monaten dort, boah.

Oh menno, ich muss mich nur noch daran gewöhnen, anders zu tippen: zwischen z und y sowie nicht mehr "ae/oe/ue" sondern mit "ä/ö/ü" zu tippen. Es ist noch nicht ganz einfach für mich, deutsch zu tippen, da ich immer wieder an diesen Stellen verbessern bzw. ändern muss. Aber ich muss einfach darüber schmunzeln, hihi.

Machs gut.

Liebe Grüße aus Erfurt,
Simone



13te Mail
01.03.2009

hallo alle lieben,

ich bin heute seit 14.45uhr in meinem zimmer in hamburg angekommen.

ich brauche nur noch zeit an großen zimmer zu gewöhnen. ich habe in einen anderen größeren zimmer umgezogen,
hatte kleineren zimmer zuvor.
ich war gewöhnt, kleinen zimmer zu haben oder mit einige personen in einem zimmer in indien zu teilen
(diese zimmer ist ungefährt so groß wie ich jetzt in hh habe)

ich habe schon viele sachen aus dem tasche ausgepackt und sortiert. nur 2 taschen stehen und warten noch auf mich.
werde noch nach papierkram gucken und sie sortieren.

Ich verabschiede mich und werde kein rundmail mehr schreiben.



14te Mail
25.03.2009

Hallo alle,

ich habe heute endlich mein Praktikumsbericht bzgl. mein Arbeit an der Gehörlosenschule in Indien zuende geschrieben.

Ich denke, es würde euch interessieren, was ich im Bericht geschrieben habe, gell?

Schönen Abend noch.

Liebe Grüße,
Simone

Praktikumsbericht

1. Einleitende Worte
Dieser Bericht dokumentiert und kommentiert meine praktischen Erfahrungen in der Gehörlosenschule (Gl.-Schule) in Sivasailam, in der Region Tamil Nadu, in Indien. In Tamil Nadu wird Tamil bzw. tamilische Gebärdensprache (TGS) gesprochen bzw. gebärdet. Ich war dort von September 2008 bis Februar 2009 als Praktikantin tätig, erteilte den Kindern vormittags Englischunterricht und betreute sie nachmittags bei freien Aktivitäten. Ich lebte und arbeitete während dieser sechs Monate mit den Kindern auf dem Schulgelände der pädagogischen Einrichtung. Untergebracht wurde ich in einem Gästezimmer für Volunteers und Praktikanten des Waisenheims, das ich mir in den ersten drei Monaten mit einer weiteren Praktikantin aus Amerika und ab Januar mit zwei Praktikantinnen aus Deutschland und der Schweiz teilte. Die Mahlzeiten nahm ich in der Regel mit den anderen LehrerInnen der Schule und den Waisenheimkindern im Speisesaal des Waisenheims ein.
Die pädagogische Institution in Sivasailam bestand aus drei Einrichtungen: einem Waisenheim, einer mittleren Schule für hörende (hd.) Kinder (etwa 4-13 Jahre alt) und einer Gl.-Schule für gehörlose (gl.) Kinder und Jugendliche (etwa 4-18 Jahre alt). Im Unterschied zu den hd. Kindern, die z.T. nach der Schule nach Hause gingen und z.T. im Waisenheim untergebracht waren, wohnten die gl. Kinder komplett auf dem Schulgelände. Ausgänge waren nur den Jungen (und auch das streng kontrolliert) erlaubt. Ich arbeitete an der Gl.-Schule an der insgesamt acht Klassenräume sowie zusätzlich eine Nähstube und einen Kunstraum für den Unterricht zur Verfügung standen. Die Nähstube war mit etwa fünf Nähmaschinen ausgestattet. In den Klassenräume standen zumeist frontal angeordnete hölzerne Bänke und Tische (wie man sie hier auch von früher kennt), an denen jeweils zwei oder drei SchülerInnen zusammen sitzen konnten. Schüler und Schülerinnen mussten getrennt voneinander sitzen. Didaktisch ging meine Schule nach der „oralen Methode“ vor , d.h. die Gebärdensprache als Kommunikationsmittel wurde zwar von den LehrerInnen toleriert, war jedoch nicht erwünscht und wurde im Rahmen des Schulunterrichts als natürliche Muttersprache der Kinder nicht gefördert. Nichts desto trotz muss dazu gesagt werden, dass einige der LehrerInnen, wie ich in einigen Alltagssituationen beobachten konnte, zumindest gute Basiskenntnisse über die TGS hatten, sie jedoch im Unterricht bewusst nicht benutzen wollten. Auch ich wurde anfangs dazu angehalten, die Lautsprache zu verwenden, sprach aber mit meinen SchülerInnen grundsätzlich die Gebärdensprache, was von den KollegInnen akzeptiert wurde. Die Kommunikation mit den hd. LehrerkollegInnen lief über das Englische und war nicht ganz einfach. Das lag v.a. daran, dass ich es weder gewöhnt bin Englisch akustisch auszusprechen, noch Englisch vom Mund abzulesen. Somit verlief die Kommunikation mit den LehrerInnen zumeist schriftsprachlich mit Hilfe der Tafel oder einem Notizblock.


2. Schwieriger Einstieg: der erste Tag an der Gehörlosenschule in Sivasailam
Im Vorfeld meines ersten Tages an der Gl.-Schule in Sivasailam hatte ich eine andere Vorstellung über die vorhandenen Englischkompetenzen der gl. Schüler. Diese waren (im Unterschied zu den hd. SchülerInnen!) sowohl bei den gl. Schülern als auch bei den gl. Erwachsenen nur rudimentär oder gar nicht vorhanden. Mein Plan über das Englische leichter die TGS erlernen zu können, zerschlug sich somit gleich zu Anfang meines Aufenthaltes. Der Einstieg in die TGS erfolgte (anfangs „mit Händen und Füßen“) trotzdem bereits ab dem ersten Tag. Verständlicherweise war die Kommunikation auf diese Art und Weise anfangs sehr mühsam. Durch tägliches Fragen fand ich nach und nach immer mehr Gebärden heraus und erweiterte so schnell meinen Wortschatz. Trotzdem blieb meine Kompetenz in der TGS auf einem alltagssprachlichen Niveau stehen, was ich nicht zuletzt auf die fehlenden Englischkenntnisse zurückführe. Wären diese vorhanden gewesen, hätte ich zahlreiche komplexere Fragen, einfach auf Englisch formulieren können.
Von meiner hd. Zimmerkameradin, Katie, erfuhr ich, dass die Schulleiterin der Gl.-Schule angedeutet habe, für gl. Kinder lohne sich die Mühe des Englischlehrens nicht, da sie ohnehin keine Zukunft hätten. Katies Anfrage, ob sie den gl. Kindern Englischunterricht erteilen dürfe, sei aus diesem Grund von der Schulleiterin abgelehnt worden. Über diese Einstellung und über diesen Umgang mit Gl. war ich vollkommen schockiert, denn meiner Meinung nach, haben natürlich auch gl. Kinder das Recht auf eine umfassende Ausbildung, zu der auch das Erlernen der englischen Sprache gehört. Nur über eine gute Ausbildung kann ihnen eine freie persönliche Entwicklung ermöglicht und eine Zukunft geboten werden.
Mir wurde auf meine Anfrage hin erlaubt, den gl. SchülerInnen Englischunterricht zu erteilen. Vielleicht war die Schulleiterin davon beeindruckt einer gl. Studentin, die fließend Englisch schreibt, zu begegnen und vielleicht wollte sie mir deshalb ermöglichen, während meines Praktikums mein Wissen an die gl. SchülerInnen weitergeben zu können. Ich nahm diese Herausforderung gerne an, wollte ich doch zeigen, dass Gl. ebenfalls dazu fähig sind, englisch zu lernen.


3. Legitimierte Gewalt an der Schule / Einstellung zur Bildungsnotwendigkeit Gehörloser und zur Gebärdensprache
Am zweiten Tag hospitierte ich bei einer hd. Lehrerin im Matheunterricht für eine gl. Klasse. Ich sah zum ersten Mal, wie eine Lehrerin ihre SchülerInnen wegen einer falschen Antwort mit einem hölzernen Stock auf den Rücken und auf die Beine schlug, oder ihnen mit der Faust auf den Kopf hieb. Ich war entsetzt, dass es einen solchen Umgang im Unterricht heute noch gibt. In der Kommunikation mit mir verbot diese Lehrerin ihren gl. SchülerInnen, die Gebärdensprache (GS) zu benutzen und sagte, sie sollten sich per Lautsprache und Mundablesen ausdrücken. Auch mir gebot sie, ich solle mit den SchülerInnen lautsprachlich kommunizieren, statt zu gebärden, eine Anweisung die ich schlichtweg ignorierte. Wie in der Einleitung bereits beschrieben, wurde in dieser Gl.-Schule nach der oralen Methode unterrichtet. Die Lautsprache spielte für die Schulleiterin und die LehrerInnen eine wichtige Rolle; die GS hingegen wurde in ihrer Bedeutung für gl. Menschen nicht angemessen wahrgenommen. Folgende Anekdote verdeutlicht dieses Problem: Eines Tages waren zufällig zwei Frauen aus Deutschland an dieser Gl.-Schule zu Besuch. Ich konnte mit beiden in deutscher Lautsprache kommunizieren, d.h. laut artikulieren und ihnen vom Mund ablesen. Die Schulleiterin und eine Lehrerin, die dieses Gespräch beobachteten, waren sichtlich darüber erfreut, zu sehen, dass ich „lautsprachkompetent“ war. Vielleicht waren sie davon ausgegangen, dass mir diese Fähigkeit abginge, weil ich mit meinen gl. SchülerInnen gebärdete und mit den LehrerInnen schriftsprachlich kommunizierte. Es stimmte mich traurig und wütend zu erkennen, dass sie den Wert eines Menschen so stark auf die Lautsprachkompetenz reduzierten. Ohnmächtig vor dieser Ignoranz brach ich abends alleine in meinem Zimmer darüber in Tränen aus. Ich konnte nicht fassen, was im Kontext der Gl. für ein Menschenbild vorherrschte, hatte das Gefühl eine einsame Kämpferin zu sein und sehnte mich nach den selbstbewußten, gehörlosen Menschen in Deutschland.
Ein weiteres Beispiel, was das Menschenbild über den Gehörlosen meiner hd. LehrerkollegInnen verdeutlicht, ist folgendes Erlebnis: Am 21.10.2008 feierten alle den Todestag von „Rama“, der Gründerin dieser Einrichtung. Alle hd. und gl. Kinder sowie alle LehrerInnen versammelten sich zu dieser Feierlichkeit in einem großen Raum und beteten gemeinsam. Einige hd. SchülerInnen hielten auf Tamil eine kurze Rede. Zu meiner Überraschung wurden den gl. Kindern weder das Gebet noch die Reden übersetzt oder irgendwie erklärt. Ich bat eine Lehrerin zwei Mal den gl. SchülerInnen zu dolmetschen, was gesagt wurde, wusste ich doch, dass sie über GS.-Kenntnisse verfügte, doch sie lächelte mich beide Male nur an und ignorierte meine Forderung. So ein Verhalten kann ich nicht verstehen; ich war innerlich so sauer. Es schien mir so, als sei die Bildung der gl. Kinder den LehrerInnen, die doch den Job der kognitiven und sozialen Wissensvermittlung übernommen hatten, vollkommen egal. Ich versuchte anschließend einige ältere Schülerinnen dazu zu bewegen, die LehrerInnen zur Übersetzung aufzufordern. Eine zuckte nur die Schultern und eine andere sagte: "Aber….nicht nötig…wir wissen, worum es geht. Wir sollen um den Tod der Gründerin beten." Ich war fassungslos. Ich konnte nicht glauben, was ich erlebte, was sie dachten und sagten. Ich versuchte erneut, ihnen die Bedeutung des Dolmetschens und ihr Recht darauf zu erklären, aber auch dieser Versuch schlug fehl.
Ich denke, es fehlt den gehörlose Menschen wahrscheinlich dieses z.B. in Deutschland tradierte Bewusstsein, dass man als Gehörloser ein Recht auf Beteiligung und Mitteilung hat, es fehlt wohl einerseits der Mut, Dinge gegenüber hd. Lehrern einzufordern und andererseits die nötige Selbstachtung gegenüber der eigenen Gehörlosigkeit und Identität. Dies zu begreifen, war eine ausgesprochen harte und bittere Erkenntnis für mich. Insbesondere gl. Mädchen haben ein doppelt schweres Los. Allgemein sind Mädchen kulturell bedingt weniger respektiert und haben weniger Rechte. Die gl. Schülerinnen der Schule hatten kein Ausgehrecht, mussten sich immer eingesperrt im Schulgebäude oder auf dem Hof aufhalten. Was die LehrerInnen verlangten, wurde widerspruchslos erledigt, Unrecht (z.B. körperliche Gewalt) wurde ertragen, für das Recht die GS benutzen zu dürfen, wurde nicht gekämpft. Selbstbewussten gl. Menschen bin ich nicht begegnet. Es schien mir so, als hätten sich die Gl. in ihr „Schicksal“ ergeben und hätten ihre Situation als Gott gegeben so akzeptiert. Die Meinung der LehrerInnen über die GS war meiner vollkommen konträr. Es war für mich, als würde ich zurück in meine kindliche Vergangenheit reisen. Ich bin zwar nicht wie diese Kinder geschlagen worden, aber auch mir wurde im Kindergarten und in der Schule die Gebärdensprache verboten.
Hinsichtlich des erwähnten Themas „legitimierte Gewalt an der Schule“ möchte ich ein weiteres Beispiel aus dem Schulalltag geben: Eines Tages wurde ein Klassenraumschlüssel vermisst. Zwei gl. Schülerinnen war er aus Versehen in den Brunnen gefallen. Die Lehrerin wurde furchtbar wütend, schimpfte, dass der Ersatz teuer sei und zerrte bei einem der Mädchen so am Haarzopf und schlug ihr auf den Kopf, dass sie zu weinen begann. Ich sah zuerst tatenlos zu, war innerlich furchtbar aufgewühlt und wusste nicht wie ich reagieren sollte, um das Mädchen zu beschützen. Dann kam das andere Mädchen von der erfolglosen Suche zurück und auch auf sie stürzte sich die Lehrerin mit wütenden, schlagenden Fäusten. Nun konnte ich die gemeine Gewalt nicht mehr ertragen und ging dazwischen, versuchte die Arme der Lehrerin festzuhalten und redete auf sie ein, sie solle nicht schlagen. Sie ignorierte mich anfangs, beruhigte sich jedoch irgendwann endlich. Ich sagte ihr (und das zu erklären, fiel mir auf Englisch schwer, so dass ich es ihr durch Körpersprache verdeutlichte), sie solle nicht schlagen, sondern gleich erklären und reden. Ich verstehe ihre Verärgerung; ihre Reaktion kann ich weder verstehen, noch tolerieren. Nachdem die Lehrerin weg war, fragte ich die zwei Schülerinnen, ob alles einigermaßen in Ordnung sei, aber die zwei Mädchen hatten ziemliche Schmerzen und waren sehr traurig. Auch in der Folgezeit wirkten sie eingeschüchtert, wenn diese Lehrerin den Raum betrat. Zu einem späteren Zeitpunkt beobachtete ich von meinem Zimmerfenster diese Lehrerin erneut. Die Schüler übten für das baldige Sportfest einen „Appell“ auf dem Schulhof und ich schaute ihnen dabei zu. Alle Kinder standen in Reihe und Glied. Zwei Jungen jedoch waren nicht ganz bei der Sache und blödelten ein wenig herum. Sofort schritt jene Lehrerin auf sie zu und schlug ihnen mit der Faust auf den Kopf. Ich stellte sie später zur Rede und fragte sie, warum sie die Kinder schon wieder geschlagen habe. Als Antwort leugnete sie die Tat einfach. Ich meinte, ich hätte sie vom Fenster aus beobachtet, woraufhin sie sich von mir abwendete und wortlos ging. Ich war entsetzt zu erkennen, dass sie das Schlagen nur in meiner Anwesenheit unterließ und hinter meinem Rücken mit ihren brutalen Methoden fortfuhr. Das Einzige, was ich dagegen wohl tun konnte, war den anderen ein friedvolles Vorbild zu sein sowie immer wieder den Dialog zu suchen und meinen Standpunkt, wie unsinnig und schädlich das Schlagen ist, zu verdeutlichen.
Dieses vorgelebte Bestrafungsvorbild der Gewalt übertrug sich, wie zu erwarten, leider auch auf das Verhalten der jungen SchülerInnen. Auch untereinander wurden Konflikte häufig mit roher Gewalt ausgetragen, was ich vehement zu verhindern suchte. Immer wieder ging ich dazwischen, versuchte zu vermitteln und suchte auch bei den Kindern das gemeinsame Gespräch.


4. Der Alltag beginnt: mein Job als Englischlehrerin
Mitte September, nachdem ich endlich meinen Arbeitsplan bekommen hatte, begann für mich die Tätigkeit als Englischlehrerin von drei Gruppen: einer dritten, einer fünften und einer sechsten Klasse. Jede Klasse bestand aus etwa 8-12 SchülerInnen (außer die dritte Klasse, die bestand nur aus vier Schülerinnen). Die Klassengröße war sehr angenehm und genau richtig, um auch mal in Gruppen arbeiten zu können, aber trotzdem jedes einzelne Kind im Blickfeld zu behalten. In größeren Klassen zu unterrichten, stelle ich mir sehr schwer vor, weil doch die Konzentration und Ruhe mit wachsender Anzahl der Schüler schnell nachlässt und ich keine Zeit mehr hätte, auf Lernprobleme einzelner gezielt eingehen zu können. Die dritte Klasse unterrichtete ich alleine, die fünfte und sechste Klasse übernahm ich jeweils von den Klassenlehrerinnen, die dann bei meinem Unterricht dabei war. In der fünften Klasse lief die Kooperation mit der Klassenlehrerin sehr schlecht, mit der Lehrerin der sechsten Klasse arbeitete ich gut zusammen. Inhaltlich und methodisch stieg ich anfangs mit dem Englischunterricht ein, den ich noch aus meiner alten Schulzeit kenne. Ich wollte einfache Sätze im Stile „I’m Akuti. What’s your name?” und “I’m ten. How old are you?” einführen, damit auf dieser Grundlage der Einstieg in eine einfach Kommunikation vollzogen werden kann. Bald merkte ich jedoch, dass ich zu hoch angesetzt hatte und stieg auf einfache Vokabelspiele (ABC-Spiele, Memory mit Farben und später Tieren , ABC-Karten, ect.) um. Anfangs gab ich v.a. den älteren SchülerInnen auch ein paar Hausaufgaben auf und bat sie sich den durchgenommenen Stoff noch einmal anzuschauen. Enttäuscht stellte ich fest, dass die Hausaufgaben nicht erledigt wurden und vieles aus dem Unterricht des Vortages wieder vergessen war. Zuerst hatte ich dafür noch Verständnis und erklärte ihnen, die Bedeutung der Hausaufgaben, doch als sich auch noch nach ein paar Tagen nicht erledigt wurden, schimpfte ich und bat sie, sich zu bemühen. Die älteren SchülerInnen meinten, keiner der LehrerInnen gäbe Hausaufgaben auf. Bei der Beobachtung von KollegInnen bestätigte sich diese Aussage. Womit sich die gl. Kinder in der Freizeit nach der Schule beschäftigen, schien den LehrerInnen, vollkommen egal zu sein. Meiner Ansicht nach kümmerten sich die LehrerInnen an der Gl.-Schule viel zu wenig um die mentale, intellektuelle Entwicklung ihrer gl. SchülerInnen. Ich versuchte diesem Mangel entgegenzuwirken, sprach immer wieder mit meinen Schülern über die Wichtigkeit des Lernens. Doch viele lächelten immer nur lieb und lernten trotzdem nicht. Es ist unglaublich mühsam und zäh, auf dieser Art und Weise zu unterrichten.


4.1 Die unterschiedlichen Erfahrungen in meiner dritten, fünften und sechsten Klasse: Freuden, Sorgen und Nöte im Unterrichtsalltag
Am liebsten unterrichtete ich in der dritten Klasse, weil sie am meisten Spaß am Lernen hatten und die Gruppe so übersichtlich klein war. Eigentlich sollte ich mit dieser Klasse nur malen, aber statt den Unterricht darauf zu beschränken, schauten wir uns zusammen Bilderbücher an, lernten das Alphabet, führten erste, kleine Leseübungen durch und stiegen ins Englische ein. Von Tag zu Tag machten einige aus der Gruppe gute Fortschritte. Zum Schluss meines Praktikums forderte ich sie dazu auf, an den gelernten Dingen und auch am Englischen dran zu bleiben und fleißig weiterzulernen.
Der Unterricht in den beiden älteren Klassen gestaltete sich schwieriger. Die Gruppen waren größer und ständig musste ich die Kinder ermahnen, still zu sitzen, zu arbeiten und nicht mit dem Sitznachbarn zu plaudern. Allgemein kann man sagen, dass diesen Kindern keine Regeln vermittelt worden waren und sie deshalb – zu meinem Leidwesen - nicht wußten, wie man sich im Unterricht zu verhalten hat. Es erschien ihnen vollkommen konfliktlos, wenn plötzlich andere SchülerInnen einer anderen Klasse während des Unterrichts in den Raum kamen und störten, oder es schien sie auch nicht weiter zu stören, umgekehrt auf dem Stuhl zu sitzen und sich dem Unterricht abzuwenden, etc. Aber auch in diesem Fall verwunderte mich das Verhalten nicht. Ich beobachtete meine KollegInnen diesbezüglich und ihr Umgang war wirklich sehr widersprüchlich; mal schimpften sie, mal schimpften sie nicht und welche Gründe sie als für und wieder heranzogen, blieb auch mir im Dunklen. Wie sollten die Schüler lernen, dass es Regeln gibt, an die man sich halten muss und die sinnvoll sind, wenn ihnen die Regel gar nicht vermittelt und erklärt werden? Wie sollen sie ein korrektes Verhalten lernen, wenn das Schimpfen mal erfolgt und mal nicht erfolgt und somit womöglich von ihnen gar nicht unmittelbar mit ihrem Verhalten des Rausgehens und Störens in Verbindung gebracht wird? Ich versuchte ihnen, diese Regel zumindest in meinem Unterricht zu verdeutlichen. Störende Kinder schickte ich zurück in ihre Klassen und meine Schüler forderte ich zur Konzentration auf, was für sie ganz neu und ungewöhnlich war.

Mit meinem Unterricht war ich weitestgehend auf mich alleine gestellt und erhielt keine (oder nur kaum) Hilfe durch die erfahrenen KollegInnen. Besonders in der fünften Klasse hatte ich Schwierigkeiten, die Schüler zu motivieren und meinen Unterricht erfolgreich durchzuführen. Die mich begleitende Klassenlehrerin schaute meinem Unterricht nur passiv zu, ohne mich zu unterstützen und als ich sie konkret um ein paar Tipps bat, meinte sie nur, sie wüsste nicht, wie sie mir helfen könne. Von da ab änderte ich meine Lehrmethode und experimentierte viel mit Lernspielen (z.B. mit dem beschriebenen Memorywortspiel). Einige Spiele waren ganz einfach, andere stellten für meine Schüler eine echte Herausforderung dar. In jedem Fall wurde durch dieses Lehrmaterial der Lernerfolg der Kinder und meinen Lehrspaß erhöht. Die Zusammenarbeit mit der Klassenlehrerin der sechsten Klasse lief besser. Diese Lehrerin war ausgesprochen nett und half mir beim Anschauen und Korrigieren der Lernspiele, oder übersetzte schnell meine gestellte Aufgabe oder Erklärung ins Tamilische, wenn ich nicht verstanden wurde. Allgemein machten die Schüler meiner sechsten Klasse ebenfalls einige gute Fortschritte.



5. Einige Reflektionsgedanken zu meiner Arbeit als Englischlehrerin an einer indischen Gehörlosenschule
Allgemein betrachtet war meine Aufgabe als Lehrerin sehr mühsam, denn es dauerte lange bis sich Lernfortschritte zeigten und es war anstrengend immer wieder gegen den mangelnden Fleiß, nicht gemachte Hausaufgaben, vergessene Lerninhalte, etc. anzukämpfen. Erledigte Hausaufgaben belohnte ich manchmal mit Bonbons, obwohl es mir bewusst war, dass es vielleicht didaktisch nicht ganz in Ordnung war. Aber die Kinder waren ganz vernarrt danach und mir machte es Freude, ihren Fleiß mit einer Kleinigkeit anzuerkennen. Ein paar Schüler, die keine Hausaufgaben erledigt hatten, fragten mich, ob sie denn nicht auch ein Bonbon bekämen und ich meinte, dass ich ihnen morgen gerne ein Bonbon geben würde, wenn sie ihre Hausaufgaben machen würden. Sie seufzten, aber am nächsten Tag brachten sie die erledigten Hausaufgaben in den Unterricht mit.
Auch das Thema „Schriftsprachvermittlung“ war im Kontext meines Unterrichts eine schwierige Aufgabe. Viele Schüler erklärten mir ganz direkt, dass für sie das Schreiben zu schwierig sei. Zeitweise fühlte ich mich wirklich überfordert und hätte am Liebsten aufgegeben. Wie sollte ich die vielen Lücken füllen und Probleme lösen? Aus diesem Grund habe ich für eine gewisse Zeit den Englischunterricht auf den Konversationsbereich beschränkt. Ende November startete ich einen neuen Versuch mit dem Alphabet. Täglich führte ich einige wenige ausgewählte Buchstaben im Unterricht ein. Richtig erledigte Arbeiten versah ich mit einem kleinen roten Haken und auch nach diesen Haken waren die Kinder versessen und schienen sie zu „sammeln“. Dieser zweite Versuch der Einführung des lateinischen Alphabets lief erstaunlich gut.
Immer wieder erklärte ich im Unterricht wie wichtig das Lernen allgemein und wie hilfreich Basiskenntnisse über die englische Sprache sind. Nach und nach besserte sich das Lernverhalten, wobei natürlich einige Kinder eine sehr schnelle und andere eine etwas langsamere Auffassungsgabe hatten. Diesbezüglich muss erwähnt werden, dass sich die Klassen aus gl. Kindern (ohne sonstige Beeinträchtigungen) und gl. Kindern mit zusätzlicher geistiger Behinderung gemischt zusammensetzten. Mir fiel auf, dass einige LehrerInnen vollkommen unreflektiert, Wertungen über die Leistung der Kinder äußerten wie „Dieses Kind ist dumm.“ und dabei überhaupt nicht berücksichtigten, ob es sich um ein Kind mit einer zusätzlichen geistigen Behinderung bzw. Lernbehinderung handelte. Wie kann man auf eine solche Weise dem Kind gerecht werden? Natürlich müssen zusätzliche Behinderungen beim Unterrichten berücksichtigt werden, d.h. solche Kinder brauchen noch etwas mehr Zeit, die Erklärungen müssen evt. einzelnen Kindern noch einmal wiederholt werden, etc.
Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die systemische Ebene. Gl. Kinder bekommen erstens keine Frühförderung, um einen Nachteilsausgleich zu gewährleisten und eine bestmögliche kognitive und soziale Entwicklung zu garantieren und werden zweitens viel zu spät eingeschult. Auch einen Kindergarten, in dem man sich früh um die Bildung der Kinder kümmern könnte, gibt es leider nicht.

Wirklich hart war für mich die von Lehrern ausgehende Gewalt mitanzusehen. Wie bereits an einigen Beispielen verdeutlicht, war die Prügelstrafe eine gängige Methode der LehrerInnen. Ich versuchte diesem Umgang mit den Kindern, ein anderes Beispiel entgegenzusetzen und immer wieder darüber mit den LehrerInnen und auch den SchülerInnen zu reden. Einige SchülerInnen sprachen mich ganz direkt an und sagten mir, ich habe ein „gutes Herz“ und mache die Arbeit gut, ein Lob, das mich in meiner Vehemenz doppelt bestärkte. Immer wieder machte ich mir darüber Gedanken, was wohl wird, wenn ich weg bin und dass es gut wäre, länger als sechs Monate bleiben zu können, um die Wirkung meines gewaltlosen Gegenbeispiels tief zu verankern und so den ersten Schritt der Veränderung zu bewirken. Ich empfinde es als unglaublich wichtig, über Gewalt zu sprechen und zu Formen einer gewaltfreien Erziehung zu finden.
Auch über bessere Bildungschancen für Gehörlose machte ich mir viele Gedanken. Es wäre wirklich wichtig, mehr in die Bildung zu investieren, der oralen Methode, eine bessere didaktische Alternative wie die bilinguale Erziehung auf der Basis der Gebärdensprache und unter Berücksichtigung der Lautsprache entgegenzusetzen und den Sprachunterricht (z.B. Englisch und Hindi) an Gl.-Schulen ernster zu nehmen.


6. Fazit
Zum Ende meines Praktikums konnte ich auf der einen Seite den positiven Erfolg verbuchen, dass meine gl. SchülerInnen wirklich gerne an meinem Unterricht in TGS teilgenommen haben. Auf der anderen Seite war der Lernerfolg leider verschwindend gering. Viele konnten sich die engl. Vokabeln weder schreiben noch sie sich merken. Ob dieser geringe Lernerfolg an mir lag? In einem Gespräch mit KollegInnen meinten diese zu mir, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht hätten, dass diese SchülerInnen sehr langsam vorankommen würden. Grundsätzlich kann ich diese gl. Schüler aufgebende Haltung nicht verstehen. Es mag nicht zuletzt am jahrelangen mangelhaften schulischen Unterricht liegen, dass diese Kinder solche Probleme mit dem Lernen haben. Das große Desinteresse der hd. LehrerInnen konnte ich kaum ertragen. Jeder Mensch sollte das Recht auf eine gute schulische Ausbildung haben und jeder Mensch sollte das Recht auf einen guten Spracherwerb in seiner natürlichen Muttersprache haben. In Sivasailam wird das gl. Kindern verwehrt. In diesem Bereich gilt es wirklich in Zukunft weitere Aufklärungsarbeit zu betreiben. Vielleicht konnte ich als gl Akademikerin meinen kleinen Beitrag in diese Richtung leisten und Anregungen zum Nachdenken geben. Im Kontext der Praktikumsreflexion sprach ich mit der Schulleiterin über die Bildung von gl. Kindern allgemein, über die Vorzüge der bilingualen Methode, über die Bedeutung der Gebärdensprache für die Sprachentwicklung der Kinder und über das Fremdsprachenangebot für gl. Kinder. Sie versicherte mir, dass sie sich bereits darüber Gedanken gemacht habe, Verbesserungen vornehmen wolle und zumindest den Englischunterricht für gl. Kinder auch in Zukunft fortsetzen wolle. Ich hoffe, dass sie den Vorsatz die schulische Ausbildung gl. Kinder verbessern zu wollen, ernst gemeint hat.

Es gibt noch viel zu tun und neben allen meinen positiven Eindrücken, Erlebnissen, Erfahrungen in meinem Praktikum, neben all dem, was ich in der praktischen Arbeit gelernt habe, gilt es auch die gesehene Not zu benennen; gilt es anzuklagen, dass Gehörlose eine wirkliche Bildungsdiskriminierung erfahren, was sich negativ auf ihre Persönlichkeitsentwicklung auswirkt und von mir als echte Menschenrechtsverletzung empfunden wird, gegen die angekämpft werden muss.